Progesteron
Gelbkörperhormon für Zyklusregulation, Schwangerschaft und GABA-Modulation
Auch bekannt als
Definition
Progesteron ist ein Steroidhormon, das hauptsächlich im Corpus luteum (nach Ovulation) und in der Plazenta (Schwangerschaft) produziert wird. Kleine Mengen entstehen in der Nebenniere und bei Männern in den Hoden. Progesteron bereitet den Uterus auf Einnistung vor, erhält die Schwangerschaft, moduliert GABA-Rezeptoren (anxiolytisch), beeinflusst Schlaf (Allopregnanolon-Metabolit) und wirkt anti-östrogen auf Brustgewebe.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Einheit | nmol/l (ng/ml) |
| Referenzbereich | Frauen: Follikelphase: < 3,2 nmol/l (< 1 ng/ml) | Lutealphase: 5,7–78 nmol/l (1,8–25 ng/ml) | Postmenopause: < 3,2 nmol/l | Männer: 0,7–4,3 nmol/l (0,2–1,4 ng/ml) |
Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.
Umrechnung: 1 ng/ml = 3,18 nmol/l. US-Labore: Lutealphase 1,8–24 ng/ml.
↓ Was ein niedriger Wert bedeutet
Niedrige Progesteronwerte in der Lutealphase können auf Zyklen ohne Eisprung (anovulatorische Zyklen), eine verminderte Gelbkörperfunktion oder die perimenopausale Umstellung hinweisen. Eine einzelne Messung belegt die Qualität der Lutealphase allerdings nicht: Progesteron wird pulsatil ausgeschüttet und schwankt stark, und nach der US-Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM) gibt es keinen verlässlichen Standard, um eine Lutealphaseninsuffizienz zu diagnostizieren. Zusammenhänge mit Schlafstörungen, Angstneigung oder PMS-Beschwerden werden diskutiert; eine Diagnose ergibt sich aus dem Wert allein nicht. Die Einordnung übernimmt deine Ärztin bzw. dein Arzt.
↑ Was ein hoher Wert bedeutet
Erhöhtes Progesteron außerhalb der Lutealphase oder Schwangerschaft kann auf Corpus-luteum-Zyste, adrenale Hyperplasie (11β-Hydroxylase-Mangel) oder exogene Zufuhr hinweisen. In der Schwangerschaft ist erhöhtes Progesteron normal und essenziell.
✓ Was den Wert beeinflussen kann
Der Progesteronspiegel wird vor allem durch den Zyklusverlauf bestimmt: Er steigt nach dem Eisprung deutlich an, sinkt in der Postmenopause und ist in der Schwangerschaft erhöht. Weitere Einflüsse sind die Körperzusammensetzung, die Versorgung mit an der Steroidhormon-Synthese beteiligten Mikronährstoffen wie Zink und Vitamin B6 sowie Stress. Dass Cortisol und Progesteron gemeinsame Vorstufen haben, ist biochemisch richtig; dass Stress darüber den Progesteronspiegel senkt (sogenannter Pregnenolon-Steal), ist nicht belegt. Der Zeitpunkt der Blutabnahme im Zyklus bestimmt die Aussagekraft des Werts. Die Einordnung nimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt vor.
Wann testen?
Bestimmt wird Progesteron meist am 7. Tag nach mutmaßlicher Ovulation (ca. Zyklustag 21 bei 28-tägigem Zyklus); ein Anstieg in der Lutealphase gilt als Hinweis auf einen erfolgten Eisprung. Die Qualität der Lutealphase belegt eine einzelne Messung nicht (ASRM). Anlässe sind Kinderwunsch, Fehlgeburten, PMS, anovulatorische Zyklen oder Verdacht auf Lutealphaseninsuffizienz. Eingeordnet wird der Wert immer im Zykluskontext.
Häufige Fragen
Was ist der Pregnenolon-Steal und beeinflusst er meinen Progesteronspiegel? +
Pregnenolon ist eine gemeinsame Vorstufe von Cortisol, Progesteron und DHEA. Der Begriff Pregnenolon-Steal beschreibt die Annahme, dass der Körper bei chronischem Stress Pregnenolon bevorzugt zu Cortisol umbaut und dadurch weniger Progesteron bildet. Belegt ist dieser Mechanismus beim Menschen nicht: Cortisol entsteht in der Nebenniere, Progesteron in der zweiten Zyklushälfte vor allem im Gelbkörper. Ein niedriger Progesteronwert ist deshalb kein Nachweis eines solchen Effekts.
Warum ist der Messzeitpunkt für Progesteron so wichtig? +
Progesteron variiert stark im Zyklusverlauf: < 1 ng/ml in der Follikelphase, 1,8–25 ng/ml in der Lutealphase. Eine Messung ohne Zyklusangabe ist kaum interpretierbar. Gemessen wird in der Regel am 7. Tag nach der Ovulation (ca. Zyklustag 21), dem Zeitpunkt des Lutealphasen-Peaks; ein Anstieg gilt als Hinweis auf einen Eisprung. Die Qualität der Lutealphase belegt eine einzelne Messung nicht, weil Progesteron pulsatil ausgeschüttet wird (ASRM).
Was unterscheidet bioidentisches Progesteron von synthetischen Gestagenen? +
Bioidentisches Progesteron (mikronisiertes Progesteron) ist chemisch identisch mit körpereigenem Progesteron (P4), synthetische Gestagene (Progestine) sind es nicht. Von außen zugeführtes Progesteron kann den Messwert erhöhen. Ob und welche Hormontherapie infrage kommt, legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Wie hängt Progesteron mit dem Schlaf zusammen? +
Progesteron wird im Gehirn zu Allopregnanolon metabolisiert, das als positiver allosterischer Modulator am GABA-A-Rezeptor wirkt — mit beruhigenden, schlaffördernden Effekten. Das erklärt den schlaffördernden Effekt von Progesteron in der zweiten Zyklushälfte und warum Menopausefrauen mit niedrigem Progesteron häufig Schlafstörungen haben.
Progesteron
Quellen
- Prior JC (2020) Progesterone for Symptomatic Perimenopause Treatment. Facts Views Vis Obgyn.
- Stanczyk FZ et al. (2013) Progestogens used in postmenopausal hormone therapy. Endocr Rev.
- Monteleone P et al. (2018) Symptoms of menopause — global prevalence, physiology and implications. Nat Rev Endocrinol.
Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2026
Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.