Hormon pmol/l (pg/ml)

Estradiol (E2)

Hauptweibliches Sexualhormon für Zyklus, Knochen, Herz und kognitive Funktion

Auch bekannt als

Östradiol 17β-Estradiol E2 Serum-Estradiol

Definition

Estradiol (17β-Estradiol, E2) ist das potenteste und häufigste Östrogen und wird primär in Granulosazellen des Ovars produziert. Bei Männern entsteht es durch Aromatisierung von Testosteron in Fettgewebe und Leber. E2 reguliert den weiblichen Menstruationszyklus, Ovulation, Uterusschleimhaut-Aufbau, Knochenerhalt, kardiovaskulären Schutz und kognitive Funktion. Die Werte variieren stark mit Zyklusphase, Alter und Hormonstatus.

Parameter Wert
Einheit pmol/l (pg/ml)
Referenzbereich Frauen: Follikelphase: 100–590 pmol/l | Ovulation: 370–1850 pmol/l | Lutealphase: 180–670 pmol/l | Postmenopause: < 110 pmol/l | Männer: 50–180 pmol/l (14–50 pg/ml)

Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.

Umrechnung: 1 pmol/l = 0,272 pg/ml. US-Labore: pg/ml (Follikelphase 27–161 pg/ml).

↓ Was ein niedriger Wert bedeutet

Niedriges Estradiol bei Frauen: Ovarialinsuffizienz, Menopause, hypothalamische Amenorrhö (Untergewicht, Übertraining, Stress), Hyperprolaktinämie. Symptome: Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Osteoporose, kardiovaskuläres Risiko, kognitive Beeinträchtigungen, Schlafstörungen. Niedriges E2 bei Männern: selten, assoziiert mit Knochendichteverlust, Erektionsstörungen.

↑ Was ein hoher Wert bedeutet

Erhöhtes Estradiol bei Frauen: PCOS mit Östrogenüberschuss, Übergewicht (erhöhte Aromatase), östrogenwirksame Verbindungen (Xenöstrogene), hormonproduzierender Tumor. Bei Männern: Adipositas, Leberzirrhose, Anabolika-Verwendung, östrogenproduzierender Tumor. Symptome: Gynäkomastie, Libidoverlust, Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen, Infertilität.

✓ Was den Wert beeinflussen kann

Bei Frauen wird Estradiol vor allem durch den Zyklusverlauf, Schwangerschaft, Menopause, hormonelle Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie, Körpergewicht und Alkoholkonsum beeinflusst (Alkohol kann die Aromatase steigern). Bei Männern entsteht Estradiol überwiegend aus Testosteron über die Aromatase; Übergewicht, da Fettgewebe Aromatase enthält, kann den Wert erhöhen. Auch Lebererkrankungen und bestimmte Medikamente wirken auf den Wert. Die Einordnung nimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt vor.

Wann testen?

Frauen: am 3.–5. Zyklustag für Basiswert; periovulatorisch (ca. Tag 12–14) und in Lutealphase (ca. Tag 21). Bei Menopause, Hormonstörungen oder Fertilitätsdiagnostik. Männer: bei Gynäkomastie, Libidoverlust oder im Rahmen des Hormonstatus mit Testosteron und SHBG.

Häufige Fragen

Was ist mit Östrogendominanz gemeint, und lässt sie sich im Blut nachweisen? +

Östrogendominanz ist ein verbreiteter Begriff, aber keine anerkannte medizinische Diagnose. Gemeint ist meist ein Verhältnis, in dem Estradiol gegenüber Progesteron überwiegt, nicht unbedingt absolut hohe Östrogenwerte. Einheitliche Kriterien oder Grenzwerte dafür gibt es nicht, und eine einzelne Messung von E2 und Progesteron kann ein solches Verhältnis nicht belegen, weil beide Hormone im Zyklus stark schwanken. Die Einordnung übernimmt deine Ärztin bzw. dein Arzt.

Warum schwanken Estradiolwerte so stark? +

Estradiol folgt dem Menstruationszyklus: niedrig in der frühen Follikelphase, starker Anstieg zum Eisprung (Ovulationspeak), leicht erhöht in der Lutealphase, dann Abfall. Zusätzlich gibt es zirkadiane Variation und Einflüsse durch Stress, Ernährung und Sport. Deshalb gehört der Messzeitpunkt im Zyklus zur Einordnung des Werts dazu.

Brauchen Männer Östrogen? +

Ja. Männer benötigen Estradiol für Knochendichte (E2 ist wichtiger Knochen-Schutzfaktor auch bei Männern), Libido, Spermienreifung und Schutz des kardiovaskulären Systems. Zu wenig E2 bei Männern führt zu Knochendichteverlust und Erektionsstörungen; zu viel E2 (oft durch Adipositas) zu Gynäkomastie und Libidoverlust.

Was passiert mit Estradiol in der Menopause? +

Mit dem Erlöschen der Ovarialfunktion sinkt E2 von ca. 200–500 pmol/l auf < 110 pmol/l. Das Fettgewebe übernimmt als Hauptproduktionsort (Aromatisierung von Androgenen). Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und Stimmungsschwankungen sind typische Folgen. Ob und wie behandelt wird, legt die Ärztin oder der Arzt fest.

Estradiol (E2)

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2026

Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.