Biomarker mg/l

Cystatin C

Sensitiver Nierenfiltermarker unabhängig von Muskelmasse – überlegener GFR-Schätzer

Auch bekannt als

Cys C Serum-Cystatin C CKD-EPI Cystatin C

Definition

Cystatin C ist ein niedermolekulares Protein (Cysteinprotease-Inhibitor), das konstant von allen kernhaltigen Körperzellen produziert und ausschließlich durch glomeruläre Filtration eliminiert wird. Im Gegensatz zu Kreatinin ist Cystatin C unabhängig von Muskelmasse, Geschlecht und Ernährung — es ist damit ein überlegener endogener GFR-Marker, besonders in Grenzbereichen und bei Personengruppen mit extremen Körperzusammensetzungen (Muskel-Athleten, Kachektiker, Ältere).

Parameter Wert
Einheit mg/l
Referenzbereich 0,50–1,00 mg/l (Erwachsene; leichter Anstieg mit Alter, Diabetes und Entzündung)
Optimum Zone (lab2go) < 0,85 mg/l (lab2go Optimum Zone — Werte < 0,85 mg/l assoziiert mit GFR-Äquivalent > 90 ml/min/1,73 m²; stärker mit Mortalität verknüpft als Kreatinin)

Was ein niedriger Wert bedeutet

Sehr niedrige Cystatin-C-Werte (< 0,5 mg/l) sind selten und ohne klinische Bedeutung. Theoretisch könnten Hyperthyreose-bedingt höhere Zellproliferationsraten die Produktion leicht erhöhen (nicht senken). Keine relevante Pathologie bei niedrigem Wert bekannt.

Was ein hoher Wert bedeutet

Erhöhtes Cystatin C (> 1,0 mg/l) zeigt eingeschränkte glomeruläre Filtration an (chronische Nierenerkrankung, CKD). Vorteil gegenüber Kreatinin: erkennt leichte GFR-Einschränkungen (GFR 60–90 ml/min) bei Patienten mit niedrigem Kreatinin durch geringe Muskelmasse (ältere Frauen, Kachektiker). Erhöhtes Cystatin C ist auch unabhängiger kardiovaskulärer Risikomarker.

So optimierst du diesen Wert

Cystatin C reflektiert die Nierenfiltration; Optimierung durch: Blutdruckkontrolle (< 130/80 mmHg schützt Niere), ausreichende Hydration, Reduktion nephrotoxischer Substanzen (NSAR, Kontrastmittel), optimierte Diabeteskontrolle, Protein-angepasste Ernährung bei CKD (0,8 g/kg/Tag). ACE-Hemmer/ARBs schützen die Niere bei Diabetes und Proteinurie.

Wann testen?

Wenn Kreatinin-GFR verdächtig normal erscheint (geringe Muskelmasse), bei älteren Patienten, bei der Abklärung leichter CKD (G2-Stadium), kardiovaskuläre Risikoabschätzung, Medikamenten-Dosisanpassung. CKD-EPI mit Cystatin C allein oder kombiniert mit Kreatinin ist präzisester GFR-Schätzer.

Häufige Fragen

Warum ist Cystatin C besser als Kreatinin für ältere Menschen? +

Kreatinin wird aus Muskeln freigesetzt — ältere Menschen verlieren Muskelmasse (Sarkopenie) und produzieren daher weniger Kreatinin, obwohl die Nierenfunktion abnimmt. Ein Kreatinin im Normalbereich kann bei einem muskelarmen 80-Jährigen eine GFR von nur 45 ml/min maskieren. Cystatin C wird muskelunabhängig produziert und erkennt diese verdeckte Niereneinschränkung zuverlässig.

Beeinflusst Entzündung die Cystatin-C-Messung? +

Ja. Proinflammatorische Zytokine (IFN-γ, IL-2) können die Cystatin-C-Produktion um 10–20 % erhöhen, unabhängig von der Nierenfunktion. Auch Schilddrüsenfunktion beeinflusst Cystatin C (Hyperthyreose erhöht, Hypothyreose senkt leicht). Diese Faktoren sollten bei der Interpretation berücksichtigt werden — bei aktiver Entzündung kann GFR aus Cystatin C leicht unterschätzt sein.

Muss ich nüchtern sein für die Cystatin-C-Messung? +

Nein. Im Gegensatz zu Kreatinin variiert Cystatin C kaum durch Mahlzeiten oder Tagesrhythmus. Es kann zu jeder Tageszeit gemessen werden. Lediglich bei sehr proteinreichen Mahlzeiten (> 80 g Protein) gibt es in Studien geringfügige Anstiege, die klinisch nicht relevant sind.

Wann wird Cystatin C gegenüber Kreatinin bevorzugt? +

Cystatin C ist bevorzugt bei: älteren Patienten (> 65 J), extremer Muskelmasse (Bodybuilder mit hoch-normalem Kreatinin), muskelkachektischen Patienten, Krebspatienten, bariatrischer Chirurgie (schneller Gewichtsverlust), wenn exakte GFR-Schätzung für Dosisanpassung wichtig ist. Die CKD-EPI 2021 Cystatin-C-Formel ist aktuell der Goldstandard.

Zuletzt geprüft: 28. Mai 2026 · sina

Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.