Biomarker µmol/l (mg/dl)

Harnsäure

Endprodukt des Purinstoffwechsels – Marker für Gicht-Risiko und metabolisches Syndrom

Auch bekannt als

Serum-Harnsäure Urikämie Urat Uric Acid

Definition

Harnsäure ist das Endprodukt des Purin-Abbaus beim Menschen (fehlendes Uricase-Enzym im Gegensatz zu anderen Säugetieren). Sie entsteht hauptsächlich aus dem endogenen Purin-Stoffwechsel (Zellkernabbau) und aus dem Abbau exogen zugeführter Purine (rotes Fleisch, Innereien, Bier, Fruchtzucker). Erhöhte Harnsäure (Hyperurikämie) ist der Hauptrisikofaktor für Gicht und assoziiert mit metabolischem Syndrom, kardiovaskulären Erkrankungen und Nierensteinen.

Parameter Wert
Einheit µmol/l (mg/dl)
Referenzbereich Frauen: 150–350 µmol/l (2,5–5,9 mg/dl) | Männer: 200–420 µmol/l (3,4–7,0 mg/dl)
Optimum Zone (lab2go) Frauen: < 300 µmol/l (< 5 mg/dl) | Männer: < 360 µmol/l (< 6 mg/dl) (lab2go Optimum Zone — deutlich unter Kristallisationsschwelle; < 360 µmol/l Gicht-Behandlungsziel der EULAR)

Umrechnung: 1 mg/dl = 59,5 µmol/l. US-Labore: mg/dl (Frauen 2,0–7,0, Männer 3,4–7,2 mg/dl).

Was ein niedriger Wert bedeutet

Sehr niedrige Harnsäure (< 120 µmol/l / < 2 mg/dl) kann bei Molybdän-Kofaktor-Mangel (sehr selten), Fanconi-Syndrom (renaler Tubulusdefekt), SIADH oder Xanthinurie auftreten. Harnsäure hat auch antioxidative Eigenschaften im Extrazellularraum — sehr niedrige Werte werden mit erhöhtem Parkinson-Risiko assoziiert (kontrovers diskutiert).

Was ein hoher Wert bedeutet

Hyperurikämie (> 420 µmol/l / > 7 mg/dl) erhöht das Risiko für Gichtanfälle (Uratkristall-Arthritis), Urolithiasis (Harnsäuresteine), chronische Nephropathie und kardiovaskuläre Erkrankungen. Assoziiert mit metabolischem Syndrom, Insulinresistenz und Fruktose-reicher Ernährung.

So optimierst du diesen Wert

Ernährung: purinreiche Lebensmittel reduzieren (Innereien, rotes Fleisch, Schalen-/Meerestiere, Bier). Fruchtzucker (HFCS, Limonaden) stark einschränken (Fruktose-induzierte Harnsäureproduktion). Ausreichend Wasser trinken (2–3 l/Tag fördert renale Harnsäureausscheidung). Kaffee (urikosurisch). Vitamin C (500–1000 mg/Tag) erhöht renale Ausscheidung.

Wann testen?

Bei Gicht-Anamnese, Gelenkschmerzen, Nierensteinen, metabolischem Syndrom, Niereninsuffizienz oder Medikamenten-Review (Diuretika, niedrig-dosiertes ASS, Ciclosporin erhöhen Harnsäure). Nüchternmessung empfohlen.

Häufige Fragen

Macht eine ketogene Ernährung die Harnsäure schlechter? +

Kurzfristig kann ketogene Ernährung die Harnsäure erhöhen, da Ketonkörper um die renale Ausscheidung mit Harnsäure konkurrieren. Längerfristig (> 6 Monate) normalisiert sich Harnsäure oft durch den Gewichtsverlust und die Reduktion von Fructose. Individuelle Überwachung empfohlen bei Hyperurikämie-Vorgeschichte.

Was ist der Unterschied zwischen asymptomatischer Hyperurikämie und Gicht? +

Asymptomatische Hyperurikämie: erhöhte Harnsäure (> 420 µmol/l) ohne Symptome. Behandlung ist umstritten; bei Hochrisiko-Patienten (> 540 µmol/l, Niereninsuffizienz) kann Allopurinol erwogen werden. Gicht: episodische, akut entzündliche Arthritis durch Uratkristall-Ablagerung in Gelenken — medikamentöse Therapie (Colchicin, Allopurinol/Febuxostat) indiziert.

Ist Fruchtsaft wirklich schlimmer als Bier für die Harnsäure? +

Bier enthält Purine (Hefe) und erhöht Harnsäure durch zwei Mechanismen. Fruchtsäfte (Apfel-, Orangen-, Traubensaft) mit hohem Fruktosegehalt erhöhen Harnsäure durch Fruktose-abhängige ATP-Degradation. Alkohol vermindert zudem die renale Harnsäure-Ausscheidung. Beides ist problematisch; zuckergesüßte Getränke (HFCS) gelten als stärkstes Ernährungsrisiko für Hyperurikämie.

Hat Harnsäure auch positive Eigenschaften? +

Ja. Harnsäure ist ein potentes Antioxidans im Extrazellularraum und trägt zu ca. 50 % der antioxidativen Kapazität des Plasmas bei. Epidemiologische Studien assoziieren niedrige Harnsäurespiegel mit erhöhtem Parkinson- und MS-Risiko. Das erklärt das Paradox: Harnsäure ist einerseits pathogen (Gicht), andererseits zeigen niedrige Werte potenziell erhöhtes neurodegeneratives Risiko.

Zuletzt geprüft: 28. Mai 2026 · sina

Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.