Biomarker % der roten Blutkörperchen

Retikulozyten

Junge rote Blutkörperchen, deren Anzahl die Blutneubildung im Knochenmark zeigt

Auch bekannt als

Retikulozytenzahl Retikulozytenindex Retikulozytenproduktionsindex

Definition

Retikulozyten sind unreife rote Blutkörperchen. Das Knochenmark bildet sie und gibt sie ins Blut ab, wo sie innerhalb von ein bis zwei Tagen zu reifen Erythrozyten werden. Ihre Zahl im Blut zeigt, wie zügig das Knochenmark neue rote Blutkörperchen nachliefert. Der Wert hilft, Anämieformen einzuordnen, und wird im Verlauf genutzt, um zu sehen, ob eine Anämie-Behandlung anschlägt. Daneben gibt es abgeleitete Kennzahlen wie den Retikulozytenproduktionsindex.

Parameter Wert
Einheit % der roten Blutkörperchen
Referenzbereich Für gesunde Erwachsene ohne Anämie nennt MedlinePlus etwa 0,77–2,26 %. Ist das Hämoglobin durch Blutverlust oder vermehrten Zellabbau niedrig, liegt der erwartete Bereich höher. Labore weichen voneinander ab und geben teils zusätzlich die absolute Zahl an; maßgeblich ist der Bereich in deinem Befund. Die Einordnung übernimmt deine Ärztin bzw. dein Arzt.

Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.

↓ Was ein niedriger Wert bedeutet

Eine niedrige Retikulozytenzahl kann darauf hindeuten, dass das Knochenmark zu wenige rote Blutkörperchen bildet. Mögliche Zusammenhänge sind eine Anämie durch Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure, eine aplastische Anämie, eine Knochenmarkschwäche etwa durch Medikamente, Tumoren, Bestrahlung oder Infektionen, eine chronische Nierenerkrankung mit zu wenig Erythropoetin sowie eine Leberzirrhose. Besprich Abweichungen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt.

↑ Was ein hoher Wert bedeutet

Eine erhöhte Zahl (Retikulozytose) zeigt, dass das Knochenmark verstärkt nachbildet. Das kann mit einer hämolytischen Anämie zusammenhängen, bei der rote Blutkörperchen vorzeitig abgebaut werden, mit einer frischen oder anhaltenden Blutung oder mit Nierenzysten oder -tumoren, die vermehrt Erythropoetin bilden. Auch eine Schwangerschaft, ein Aufenthalt in großer Höhe und manche Medikamente können den Wert vorübergehend erhöhen. Besprich Abweichungen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt.

Wann testen?

Der Test wird meist veranlasst, wenn Blutbild, Hämoglobin oder Hämatokrit auffällig sind, bei Anzeichen einer Anämie wie Atemnot, Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerz oder Schwindel, im Verlauf einer Anämie-Behandlung sowie nach Chemotherapie, Bestrahlung oder Knochenmarktransplantation. Eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig.

Häufige Fragen

Warum wird der Wert im Verlauf einer Anämie-Behandlung gemessen? +

Retikulozyten zeigen, wie aktiv das Knochenmark neue rote Blutkörperchen bildet. Eine Veränderung im Verlauf kann deshalb ein Hinweis sein, ob eine Behandlung wirkt. Wie der Verlauf zu bewerten ist, entscheidet deine Ärztin bzw. dein Arzt.

Bedeutet ein auffälliger Wert immer eine Anämie? +

Nein. MedlinePlus nennt Schwangerschaft, einen Umzug in große Höhe und manche Medikamente als Gründe für veränderte Werte. Für die Einordnung werden Beschwerden, Vorgeschichte und weitere Blutwerte berücksichtigt.

Was ist der Unterschied zwischen Retikulozyten und Erythrozyten? +

Retikulozyten sind die Vorstufe: junge rote Blutkörperchen, die nach ein bis zwei Tagen im Blut zu reifen Erythrozyten werden. Die Erythrozytenzahl beschreibt den Bestand, die Retikulozytenzahl eher die aktuelle Nachbildung.

Muss ich für den Test nüchtern sein? +

Nein, eine besondere Vorbereitung ist laut MedlinePlus nicht nötig. Wird in derselben Blutentnahme etwas anderes bestimmt, gelten dessen Vorgaben.

Retikulozyten

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2026

Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.