TL;DR: Östrogen-Dominanz ist meist kein absolutes Zuviel an Östrogen, sondern ein relatives Ungleichgewicht zu Progesteron. Die Progesteron/Östradiol-Ratio in der Lutealphase sollte über 100 liegen (Progesteron in ng/ml × 1000 / Östradiol in pg/ml). PMS, Brustspannen, Myome und Gewichtszunahme an Hüfte und Oberschenkeln sind typische Warnsignale. Leber-Detox, Darm-Support, weniger Alkohol und Xenoöstrogene bringen das System zurück ins Gleichgewicht.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Östrogen-Dominanz, Myomen oder Endometriose sprich immer mit einem hormonkundigen Arzt. Bio-identisches Progesteron nur unter ärztlicher Begleitung.
Was Östrogen-Dominanz wirklich heißt
Östrogen-Dominanz ist kein Laborwert, sondern ein Muster. Dein Östradiol kann im Referenzbereich liegen und du hast trotzdem alle Symptome einer Dominanz. Warum? Weil Östrogen und Progesteron in einem Verhältnis wirken. Fällt Progesteron schneller als Östrogen, kippt die Balance.
In der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) produziert der Gelbkörper Progesteron. Das ist der natürliche Gegenspieler zu Östrogen. Progesteron beruhigt die Gebärmutterschleimhaut, wirkt antidepressiv, schlaffördernd und verhindert Wassereinlagerungen. Wenn Progesteron zu niedrig ist, entfaltet Östrogen seine Wirkung ungebremst. Das fühlt sich dann an wie PMS auf Dauer.
Ein konkretes Beispiel: Dein Östradiol liegt an Tag 21 bei 180 pg/ml (normal), dein Progesteron bei 3 ng/ml (grenzwertig niedrig). Die Ratio Progesteron/Östradiol × 1000 ergibt 16,7 — deutlich unter dem Zielwert von 100. In Lab2go siehst du beide Werte parallel und erkennst das Muster sofort.
Die 5 wichtigsten Laborwerte
Diese Tabelle ist dein Orientierungsrahmen. Referenzbereiche gelten für europäische Labore (2026).
| Marker | Zeitpunkt | Referenzbereich | Was er zeigt |
|---|---|---|---|
| Östradiol (E2) Frauen | Follikelphase | 12 bis 166 pg/ml | Eierstockfunktion, Follikelreifung |
| Östradiol (E2) Frauen | Ovulation | 86 bis 498 pg/ml | Peak vor Eisprung |
| Östradiol (E2) Frauen | Lutealphase | 48 bis 271 pg/ml | Gegenspieler zu Progesteron |
| Östradiol (E2) Frauen | Post-Menopause | unter 30 pg/ml | Eierstöcke inaktiv |
| Östradiol (E2) Männer | beliebig | 10 bis 40 pg/ml | Aromatase-Aktivität |
| Progesteron Frauen | Lutealphase | 5 bis 25 ng/ml | Lutealqualität |
| SHBG Frauen | beliebig | 30 bis 90 nmol/l | Östrogenwirkung, Insulin |
| DHEA-S Frauen | beliebig | 1,0 bis 4,2 µg/ml | Nebennierenvorstufe |
Die wichtigste abgeleitete Kennzahl ist die Progesteron/Östradiol-Ratio. Formel: Progesteron (ng/ml) × 1000 / Östradiol (pg/ml). In der mittleren Lutealphase sollte der Wert über 100 liegen. Unter 100 spricht für relative Östrogen-Dominanz, unter 50 ist klar auffällig.
Für eine vollständige Einordnung aller Biomarker lies den Guide zu Blutwerten verstehen.
Östrogen-Metabolite: Warum der Abbau entscheidet
Östrogen wird in der Leber in zwei Richtungen abgebaut. Der Pfad entscheidet mit, wie gesund dein Östrogenhaushalt ist.
2-OH-Östron (protektiv). Dieser Metabolit ist schwach östrogenwirksam und gilt als krebsprotektiv. Ein hoher Anteil an 2-OH ist wünschenswert.
16-OH-Östron (proliferativ). Stark östrogenwirksam, bindet fest an Östrogenrezeptoren und wird mit höherem Brustkrebsrisiko assoziiert. Ein hoher Anteil ist ungünstig.
4-OH-Östron (potenziell genotoxisch). Kann DNA-Schäden verursachen, wenn nicht ausreichend methyliert wird. Hier ist die Methylierung (B12, Folat, B6, Magnesium) entscheidend.
Der DUTCH-Test (Dried Urine Test for Comprehensive Hormones) misst das Verhältnis der Metabolite über 24-Stunden-Urinsammlung. Ein 2-OH/16-OH-Quotient über 2 gilt als günstig. Kreuzblütler (DIM, I3C, Sulforaphan) verschieben den Abbau zugunsten von 2-OH. NAC, Glutathion und B-Vitamine unterstützen die Methylierung und damit die Entgiftung der 4-OH-Metabolite.
Die 6 häufigsten Ursachen
Östrogen-Dominanz entsteht selten aus einem einzigen Grund. In der Praxis sind sechs Treiber für über 90 % der Fälle verantwortlich.
Xenoöstrogene. BPA aus Plastik, Phthalate aus Kosmetik und Parfüm, Pestizidrückstände auf Obst und Gemüse binden an Östrogenrezeptoren. Die EFSA hat 2023 den tolerierbaren BPA-Grenzwert um das 20000-Fache gesenkt — ein Hinweis darauf, wie stark diese Stoffe wirken.
Übergewicht. Fettgewebe enthält Aromatase, ein Enzym, das Testosteron in Östradiol umwandelt. Je mehr Körperfett, desto mehr körpereigenes Östrogen. Bei Frauen mit Körperfett über 30 % steigt Östradiol unabhängig vom Zyklus.
Alkohol. Die Leber baut Östrogen ab. Alkohol blockiert diesen Abbau direkt und erhöht zudem die Aromatase-Aktivität. Schon zwei Drinks pro Tag können Östradiol um 15 bis 30 % erhöhen. Mehr dazu im Guide zu Leberwerten.
Chronischer Stress. Progesteron und Cortisol werden beide aus Pregnenolon gebildet. Bei Dauerstress zieht der Cortisol-Weg Ressourcen ab — das nennt man Pregnenolon-Steal. Progesteron sinkt, die Ratio kippt. Wie Cortisol dein System dominiert, liest du im Cortisol-Stress-Guide.
Perimenopause. Zwischen 40 und 50 sinkt Progesteron zuerst, oft 5 bis 10 Jahre vor dem Östrogenabfall. Das Ergebnis: relative Östrogen-Dominanz mit Schlafstörungen, starken Blutungen und Stimmungsschwankungen — obwohl die Labor-Einzelwerte noch normal aussehen.
Hormonelle Verhütung. Kombipillen liefern ethinylestradiol, ein synthetisches Östrogen, das deutlich stärker als körpereigenes Östradiol wirkt. Die körpereigene Progesteronproduktion wird unterdrückt. Nach dem Absetzen kann das Ungleichgewicht Monate bis Jahre anhalten.
Symptome: Was dein Körper dir sagt
Typische Symptome lassen sich in drei Cluster gliedern.
Zyklus und Gewebe:
- PMS mit Reizbarkeit und Stimmungstiefs
- Brustspannen und -schmerzen vor der Periode
- Schwere oder verlängerte Blutungen
- Myome (gutartige Muskelwucherungen der Gebärmutter)
- Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter)
Stoffwechsel und Gewicht:
- Wassereinlagerungen, geschwollene Finger oder Knöchel
- Gewichtszunahme an Hüfte und Oberschenkeln
- Zellulite
- Kopfschmerzen vor der Periode
System und Psyche:
- Niedrige Libido
- Schlafstörungen
- Müdigkeit trotz Schlaf
- Schilddrüsenprobleme, weil Östrogen die Umwandlung von T4 zu T3 hemmt
Bei Männern zeigt sich Östrogen-Dominanz durch Gynäkomastie (Brustansatz), Libidoverlust, Antriebslosigkeit und Wasseransammlungen im Gesicht. Testosteron fällt oft parallel, weil Aromatase Testosteron zu Östradiol abbaut.
Leber-Detox: Der wichtigste Hebel
Die Leber baut Östrogen in zwei Phasen ab. Beide müssen funktionieren, sonst bleibt Östrogen im Kreislauf.
Phase 1: Hydroxylierung. Cytochrom-P450-Enzyme wandeln Östrogen in 2-OH, 4-OH oder 16-OH um. Kreuzblütler-Gemüse fördert den günstigen 2-OH-Weg:
- DIM (Diindolylmethan): 100 bis 200 mg/Tag
- I3C (Indol-3-Carbinol): 200 bis 400 mg/Tag
- Sulforaphan aus Brokkoli-Sprossen: 10 bis 30 mg/Tag
Phase 2: Konjugation. Methylierung und Glucuronidierung machen Metabolite wasserlöslich, damit sie über die Galle ausgeschieden werden. Kritische Nährstoffe:
- B6, B12, Folat für Methylierung: Aktivformen (P5P, Methylcobalamin, Methylfolat)
- NAC: 600 bis 1200 mg/Tag, Vorläufer von Glutathion
- Glutathion (liposomal): 250 bis 500 mg/Tag
- Magnesium: 300 bis 400 mg/Tag, Cofaktor vieler Leberenzyme
Kalzium-D-Glucarat (500 bis 1500 mg/Tag) blockiert das Enzym Beta-Glucuronidase im Darm. Das verhindert, dass bereits konjugiertes Östrogen wieder aktiviert und rückresorbiert wird. Besonders wirksam bei Östrogen-Dominanz mit Darmbeschwerden.
Darm und Östrobolom
Das Östrobolom ist der Teil deines Darmmikrobioms, der Östrogen metabolisiert. Bestimmte Bakterien produzieren Beta-Glucuronidase — ein Enzym, das konjugiertes Östrogen im Darm wieder aktiv macht. Bei einer Dysbiose steigt die Beta-Glucuronidase-Aktivität und mehr Östrogen wird rückresorbiert.
Praktische Hebel für das Östrobolom:
- 30 g Ballaststoffe pro Tag. Hülsenfrüchte, Haferflocken, Leinsamen, Gemüse. Ballaststoffe binden Östrogen im Darm und transportieren es nach außen.
- Fermentierte Lebensmittel. Sauerkraut, Kimchi, Kefir, Joghurt. Diversifizieren das Mikrobiom.
- Probiotika. Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme, 10 bis 50 Milliarden KBE/Tag, für 8 bis 12 Wochen.
- Leinsamen. 2 Esslöffel frisch geschrotet/Tag. Liefern Lignane, die Östrogenrezeptoren modulieren und SHBG erhöhen.
- Zucker und Alkohol reduzieren. Beides füttert ungünstige Darmbakterien und erhöht Beta-Glucuronidase.
Lifestyle-Interventionen
Vier Hebel wirken oft stärker als jedes Supplement.
Körperfett reduzieren. Zielbereich für Frauen: 20 bis 25 % Körperfett. Jeder Prozentpunkt weniger senkt die Aromatase-Aktivität messbar. Krafttraining dreimal pro Woche plus Kaloriendefizit von 300 bis 500 kcal/Tag. Nicht drastisch hungern — zu starke Kaloriendefizite senken Progesteron zusätzlich.
Alkohol minimieren. Maximal 1 bis 2 Drinks pro Woche bei bestehender Östrogen-Dominanz. Alkohol blockiert den Östrogenabbau und erhöht die Aromatase. Wer regelmäßig trinkt, sieht die deutlichsten Verbesserungen in 4 bis 8 Wochen Abstinenz.
Xenoöstrogene reduzieren. Praktische Schritte:
- Glasflaschen statt Plastikflaschen
- Bio-Produkte bei Erdbeeren, Spinat, Paprika, Äpfeln (Dirty Dozen)
- Phthalatfreie Kosmetik und Deodorants
- Keine Parfüms mit „Parfum” oder „Fragrance” auf der Zutatenliste
- Thermopapier-Kassenbons meiden (BPA)
- Keine Plastikbehälter in der Mikrowelle
Stress managen. Schlaf 7 bis 8 Stunden, HRV-Tracking, Meditation oder Atemübungen täglich 10 Minuten. Hohes Cortisol „stiehlt” Pregnenolon und senkt Progesteron. Wie du Stress objektiv misst, liest du im Cortisol-Guide.
Progesteron-Support: Natürlich und bio-identisch
Wenn die Ratio primär durch zu niedriges Progesteron kippt, hilft direkte Unterstützung.
Pflanzliche Hebel:
- Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer): 400 bis 1000 mg/Tag getrocknete Früchte oder 20 bis 40 Tropfen Tinktur. Fördert LH und damit Progesteron. Wirkung nach 8 bis 12 Wochen.
- Magnesium: 300 bis 400 mg/Tag als Glycinat oder Malat. Cofaktor der Progesteronproduktion.
- Vitamin B6 (P5P): 25 bis 50 mg/Tag. Verbessert die Lutealphase messbar.
- Zink: 15 bis 30 mg/Tag. Unterstützt die Ovulation, ohne die keine Progesteronproduktion stattfindet.
Bio-identisches Progesteron. In der Perimenopause oder bei ausgeprägter Lutealinsuffizienz verschreiben Ärzte bio-identisches Progesteron — chemisch identisch mit körpereigenem Progesteron. Formen:
- Transdermal als Creme: 20 bis 40 mg abends auf dünnhäutige Stellen (Innenseite Unterarm, Hals).
- Oral als Kapsel: 100 bis 200 mg zur Nacht. Fördert Schlaf, weil Progesteron GABA-Rezeptoren aktiviert.
Wichtig: Bio-identisches Progesteron gehört in ärztliche Hand. Selbstmedikation ohne Laborkontrolle kann die Ratio kippen in Richtung Müdigkeit, Stimmungstief oder Zyklusverschiebung. Miss E2 und Progesteron vor und 3 Monate nach Therapiebeginn.
Männer und Östrogen
Bei Männern ist Aromatase der zentrale Hebel. Das Enzym wandelt Testosteron in Östradiol um. Sitzt viel Aromatase (im Bauchfett), sinkt Testosteron und Östradiol steigt. Die Folge: Gynäkomastie, Libidoverlust, Muskelabbau.
Labor-Zielwerte für Männer:
- Testosteron gesamt: 400 bis 800 ng/dl
- Östradiol: 10 bis 40 pg/ml (sensitive Methode)
- Ratio Testosteron zu Östradiol: über 10
Interventionen für Männer:
- Körperfett senken auf unter 20 %. Das reduziert Aromatase direkt.
- Krafttraining 3 bis 4x pro Woche mit schweren Grundübungen.
- Zink 15 bis 30 mg/Tag hemmt Aromatase leicht.
- Brokkoli-Sprossen für Sulforaphan verbessern den Östrogenabbau.
- Alkohol auf unter 7 Drinks pro Woche reduzieren.
- DIM 100 bis 200 mg/Tag bei dokumentiert erhöhtem E2.
Mehr zur hormonellen Optimierung bei Männern findest du im Guide zu Testosteron natürlich optimieren.
Wann zum Arzt
Nicht jedes PMS-Symptom erfordert sofortiges Handeln. Aber fünf Situationen sind ein klares Signal für einen Arztbesuch.
Starke Blutungen. Mehr als 80 ml pro Zyklus (Binde nach 2 Stunden durchgeblutet, Koagel) oder Blutungen über 7 Tage. Mögliche Ursachen: Myome, Endometriumhyperplasie, Gerinnungsstörungen.
Tastbare Knoten in der Brust oder einseitige Veränderung. Mammografie und Ultraschall zur Abklärung.
Schmerzhafter Geschlechtsverkehr oder starke Menstruationsschmerzen. Verdacht auf Endometriose. Gynäkologische Abklärung, ggf. Laparoskopie.
Ausbleibende Periode länger als 3 Monate ohne Schwangerschaft. Hormonpanel inklusive FSH, LH, Prolaktin und TSH.
Ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltende Erschöpfung. Mögliche Ursachen reichen von Schilddrüsenerkrankungen bis zu hormonaktiven Tumoren.
Bei Verdacht auf Östrogen-Dominanz gehört ein komplettes Hormonpanel in ärztliche Hand. Nutze Lab2go, um Werte und Symptome zu dokumentieren — das hilft dir und deinem Arzt bei der Einordnung.
Tracking: Wie oft testen
Erstdiagnose. E2 und Progesteron an Zyklustag 19 bis 22. Zusätzlich SHBG, DHEA-S, freies Testosteron, TSH, fT3, fT4. Kosten als Selbstzahlerleistung: 80 bis 150 Euro.
Verlauf bei Intervention. Re-Test nach 3 Monaten. Dokumentiere parallel Symptome (Skala 1 bis 10), Gewicht, Körperfett und Zyklustag der Messung.
Perimenopause. Halbjährlich E2, Progesteron, FSH. Bei bio-identischer Progesterontherapie ärztliche Kontrolle alle 3 Monate.
DUTCH-Test. Einmal zur Baseline und nach 6 Monaten Intervention. Zeigt, ob sich der Östrogenabbau in Richtung 2-OH verschoben hat.
Dokumentiere bei jeder Messung Zyklustag, Stresslevel, Alkohol der letzten 2 Wochen, aktuelle Supplements und Medikamente. Ein zu niedriges Progesteron an Tag 7 statt Tag 21 wäre normal — der Zyklustag verändert die Interpretation komplett.
Fazit: Balance statt Einzelwerte
Östrogen-Dominanz ist selten ein Einzelbefund. Es ist ein Muster aus Laborwerten, Symptomen und Lebensstil. Die Progesteron/Östradiol-Ratio ist dein wichtigster Leitstern. Darunter liegen Leber-Detox, Darm-Gesundheit, Körperfettanteil, Stress und Xenoöstrogen-Last.
Drei Schritte für den Start:
- Baseline setzen. E2 und Progesteron an Zyklustag 19 bis 22 messen. Ergänze SHBG und DHEA-S.
- Die Big 4 anpacken. Alkohol minimieren, 30 g Ballaststoffe/Tag, Kreuzblütler täglich, Xenoöstrogene reduzieren.
- Nach 3 Monaten re-testen. Symptome und Werte parallel dokumentieren.
Für die Umsetzung schau dir die Features von Lab2go an oder vergleiche die Pläne und Preise. Wer am Anfang steht, beginnt am besten mit dem Supplement-Einsteiger-Guide, um den Stack systematisch aufzubauen.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Östrogen-Dominanz, Myomen, Endometriose oder in der Perimenopause konsultiere eine hormonkundige Ärztin oder einen Arzt. Bio-identisches Progesteron ausschließlich unter ärztlicher Begleitung einnehmen.
FAQ zum Artikel
- Was bedeutet Östrogen-Dominanz genau?
- Östrogen-Dominanz ist ein relatives Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron, nicht automatisch ein absolut erhöhter Östrogenwert. In der Lutealphase liegt ein gesundes Verhältnis bei einer Progesteron-zu-Östradiol-Ratio über 100 (Progesteron in ng/ml x 1000 geteilt durch Östradiol in pg/ml). Sinkt die Ratio unter 100, überwiegt die Östrogenwirkung, obwohl Östradiol selbst noch im Normbereich liegen kann. Symptome wie PMS, Brustspannen oder Wassereinlagerungen treten oft trotz unauffälliger Einzelwerte auf.
- Welche Laborwerte brauche ich zur Diagnose?
- Standard ist die Messung von Östradiol (E2) und Progesteron an Zyklustag 19 bis 22 (mittlere Lutealphase). Östradiol liegt in der Lutealphase normalerweise zwischen 48 und 271 pg/ml, Progesteron zwischen 5 und 25 ng/ml. Ergänzend sinnvoll sind SHBG, DHEA-S, freies Testosteron und TSH, um Ursachen wie Leberbelastung, Stress oder Schilddrüsenprobleme zu erkennen. Für eine tiefere Analyse zeigt der DUTCH-Test die Östrogen-Metabolite 2-OH (protektiv) und 16-OH (proliferativ) im Urin.
- Welche Symptome deuten auf Östrogen-Dominanz hin?
- Typisch sind PMS, Brustspannen, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme an Hüfte und Oberschenkeln, Kopfschmerzen vor der Periode, niedrige Libido und schwere oder lange Blutungen. Bei ausgeprägter Dominanz treten Myome, Endometriose oder Schilddrüsenprobleme auf, weil Östrogen die Umwandlung von T4 zu T3 hemmt. Männer erleben Gynäkomastie, verminderte Libido und Antriebslosigkeit, wenn die Aromatase zu viel Testosteron in Östradiol umwandelt.
- Wie senke ich Östrogen natürlich?
- Drei Hebel wirken am stärksten: Leber-Detox, Darm-Gesundheit und Reduktion von Xenoöstrogenen. Kreuzblütler wie Brokkoli und Rosenkohl liefern DIM und I3C, die den Östrogenabbau in Richtung 2-OH-Metabolite verschieben. Kalzium-D-Glucarat (500 bis 1500 mg/Tag) bindet konjugiertes Östrogen im Darm und verhindert die Rückresorption. 30 g Ballaststoffe pro Tag unterstützen das Östrobolom, das Mikrobiom-Teilsystem, das Östrogen metabolisiert. Dazu: Alkohol minimieren, BPA und Phthalate meiden, Körperfett auf 20 bis 25 % reduzieren.
- Soll ich Vitex (Mönchspfeffer) einnehmen?
- Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer) in einer Dosis von 400 bis 1000 mg getrockneter Früchte pro Tag kann Progesteron in der Lutealphase anheben, weil er die LH-Produktion fördert. Wirksam bei PMS und leichter Lutealinsuffizienz mit Progesteron unter 5 ng/ml. Die Wirkung setzt nach 8 bis 12 Wochen ein. Nicht geeignet bei hormoneller Verhütung, Kinderwunsch mit ärztlicher Stimulation oder östrogenabhängigen Tumoren. Sprich bei Verdacht auf Östrogen-Dominanz immer mit einem hormonkundigen Arzt, bevor du eigenmächtig supplementierst.
- Betrifft Östrogen-Dominanz auch Männer?
- Ja, bei Männern ist meist eine erhöhte Aromatase-Aktivität die Ursache. Aromatase wandelt Testosteron in Östradiol um. Körperfett, vor allem Bauchfett, enthält viel Aromatase. Bei einem Östradiolwert über 40 pg/ml und parallel niedrigem Testosteron spricht man von relativer Östrogen-Dominanz. Folgen: Gynäkomastie, Libidoverlust, Stimmungstiefs und Muskelabbau. Gegenmaßnahmen: Körperfett senken, Alkohol reduzieren, Zink 15 bis 30 mg/Tag, Brokkoli-Sprossen für Sulforaphan und Krafttraining drei- bis viermal pro Woche.
- Wann ist bio-identisches Progesteron sinnvoll?
- In der Perimenopause (meist ab 40) sinkt Progesteron oft Jahre vor dem Östrogenabfall. Das erzeugt eine klassische Östrogen-Dominanz mit Schlafstörungen, Hitzewallungen und starken Blutungen. Bio-identisches Progesteron, transdermal als Creme (20 bis 40 mg abends) oder oral als Kapsel (100 bis 200 mg zur Nacht), kann die Ratio wiederherstellen und Schlaf verbessern. Dies gehört in ärztliche Hand. Selbstmedikation ohne Laborkontrolle ist keine gute Idee, weil zu viel Progesteron Müdigkeit, depressive Verstimmung oder Zyklusverschiebungen auslösen kann.
- Wie schnell wirken Lebensstil-Änderungen auf die Hormonbalance?
- Die Leberenzyme für den Östrogenabbau reagieren innerhalb von 2 bis 4 Wochen auf Kreuzblütler, NAC und Reduktion von Alkohol. Das Östrobolom im Darm braucht 6 bis 8 Wochen, um sich zu stabilisieren. Deutliche Verbesserung von PMS-Symptomen sehen viele Frauen nach 2 bis 3 Zyklen. Myome oder Endometriose reagieren langsamer: Hier sind 6 bis 12 Monate konsequente Intervention nötig, und die Kontrolle gehört in ärztliche Hand. Miss nach 3 Monaten E2, Progesteron und SHBG erneut, um Fortschritt zu dokumentieren.
- Welche Xenoöstrogene sind am problematischsten?
- BPA (Bisphenol A) aus Plastikflaschen und Kassenbons, Phthalate in Parfüms, Weichmachern und Kosmetika, sowie Pestizide wie Atrazin und Glyphosat binden an Östrogenrezeptoren. Die European Food Safety Authority hat den tolerierbaren Tagesdosis für BPA 2023 um das 20000-Fache reduziert, weil selbst kleinste Mengen hormonaktiv sind. Praktische Schritte: Glasflaschen statt Plastik, Bio-Produkte bei Erdbeeren, Spinat und Paprika, phthalatfreie Kosmetik, keine Thermopapier-Quittungen anfassen und keine Plastikdosen in die Mikrowelle.
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