Biomarker % der Leukozyten; absolut als /µl bzw. /nl (= 10⁹/l)

Neutrophile Granulozyten

Häufigste Art weißer Blutkörperchen, vor allem an der Abwehr bakterieller Infektionen beteiligt

Auch bekannt als

Neutrophile Neutrophilenzahl segmentkernige Granulozyten stabkernige Granulozyten

Definition

Neutrophile Granulozyten sind die häufigste der fünf Arten weißer Blutkörperchen (Leukozyten). Sie entstehen im Knochenmark und sind die wichtigste Abwehr des Körpers, wenn Bakterien, Viren oder andere Keime eindringen; vor allem richten sie sich gegen bakterielle Infektionen. Das Differenzialblutbild gibt sie als Anteil an allen Leukozyten an, oft getrennt nach jungen stabkernigen und segmentkernigen Zellen, und häufig zusätzlich als absolute Zahl.

Parameter Wert
Einheit % der Leukozyten; absolut als /µl bzw. /nl (= 10⁹/l)
Referenzbereich Typisch für Erwachsene: etwa 40–60 % der Leukozyten (MedlinePlus). Die Fachgesellschaft DGHO nennt als beispielhaften Normbereich 40–70 % segmentkernige und 3–5 % stabkernige Neutrophile. Labore weichen ab und geben oft zusätzlich eine absolute Zahl an; maßgeblich ist der Referenzbereich in deinem Befund. Besprich Abweichungen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt.

Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.

1/nl entspricht 1.000/µl bzw. 1 × 10⁹/l. Die absolute Zahl ergibt sich aus dem Prozentanteil mal der Leukozytenzahl.

↓ Was ein niedriger Wert bedeutet

Eine verminderte Zahl heißt Neutropenie. Weil Neutrophile die wichtigste Abwehr gegen Infektionen sind, steigt dabei das Infektionsrisiko. Ein niedriger Anteil kann mit einer Grippe oder anderen Virusinfektionen, einer schweren, im ganzen Körper verbreiteten bakteriellen Infektion (Sepsis), einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder Strahlenbelastung und einer aplastischen Anämie zusammenhängen. Nach einer Chemotherapie tritt eine Neutropenie häufig zwischen dem 7. und 12. Tag auf. Zudem sinkt der Prozentanteil rechnerisch, wenn eine andere Leukozytenart stark ansteigt. Besprich Abweichungen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt.

↑ Was ein hoher Wert bedeutet

Eine erhöhte Zahl heißt Neutrophilie. Ein höherer Anteil kann mit akuten Infektionen, Entzündungen, akutem Stress, Verletzungen und Rauchen zusammenhängen, außerdem mit rheumatoider Arthritis, rheumatischem Fieber, Gicht, einer Schilddrüsenentzündung oder einer Eklampsie in der Schwangerschaft, seltener mit akuten oder chronischen Leukämien und anderen myeloproliferativen Erkrankungen des Knochenmarks. Ein abweichender Wert bedeutet nicht immer eine behandlungsbedürftige Erkrankung; die Ursache klärt deine Ärztin bzw. dein Arzt, oft mit weiteren Tests.

Wann testen?

Neutrophile werden im Differenzialblutbild bestimmt, oft bei Routineuntersuchungen. Gezielt wird es veranlasst, um Beschwerden wie ungewöhnliche Müdigkeit, Schwäche oder unerklärliche Blutergüsse oder eine auffällige Leukozytenzahl abzuklären, bekannte Bluterkrankungen zu überwachen und während einer Chemotherapie eine Neutropenie zu erkennen. Eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig.

Häufige Fragen

Was bedeuten stabkernig und segmentkernig? +

Stabkernige Neutrophile sind eine junge Form dieser Zellen, segmentkernige machen den größten Teil der Neutrophilen im Blut aus. Im Differenzialblutbild werden beide oft getrennt angegeben; die DGHO nennt als beispielhafte Normbereiche 3–5 % stabkernige und 40–70 % segmentkernige Neutrophile.

Warum stehen im Befund ein Prozentwert und eine absolute Zahl? +

Der Prozentwert gibt den Anteil der Neutrophilen an allen weißen Blutkörperchen an, die absolute Zahl entsteht durch Multiplikation mit der Leukozytenzahl. Steigt eine andere Zellart stark an, sinkt der Prozentanteil der Neutrophilen, ohne dass sich ihre absolute Zahl ändern muss.

Was ist eine Neutropenie? +

Neutropenie bezeichnet eine geringere Zahl neutrophiler Granulozyten als üblich. Da diese Zellen die wichtigste Abwehr gegen Infektionen sind, steigt das Risiko für Infektionen. Häufig tritt sie nach einer Chemotherapie auf; ob und wie oft das Blutbild dann kontrolliert wird, legt deine Ärztin bzw. dein Arzt fest.

Können Stress oder Rauchen den Wert beeinflussen? +

Ja. Akuter Stress, Verletzungen und Rauchen können den Anteil der Neutrophilen erhöhen. Auch Alkohol kann die Werte im Differenzialblutbild beeinflussen. Ein einzelner abweichender Wert ist deshalb kein Befund für sich; deine Ärztin bzw. dein Arzt bezieht Beschwerden, Vorgeschichte und weitere Blutwerte ein.

Neutrophile Granulozyten

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2026

Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.