Albumin
Wichtigstes Plasmaprotein für Proteinsyntheseleistung, Leberfunktion und Ernährungsstatus
Auch bekannt als
Definition
Albumin ist das häufigste Plasmaprotein (ca. 55–60 % der Gesamtproteine) und wird ausschließlich in der Leber produziert. Es übernimmt zentrale Transportfunktionen (Fettsäuren, Hormone, Medikamente, Bilirubin, Calcium), reguliert den kolloidosmotischen Druck und ist ein wichtiger Indikator für Leberfunktion, Ernährungsstatus und Proteinmangel. Albumin ist ein negativer Akute-Phase-Reaktant (sinkt bei Entzündung).
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Einheit | g/l |
| Referenzbereich | 35–52 g/l |
Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.
↓ Was ein niedriger Wert bedeutet
Hypoalbuminämie (< 35 g/l) kann auf Lebererkrankungen (reduzierte Syntheseleistung — wichtiger Funktionsparameter bei Zirrhose), Mangelernährung/Proteinmangel, Nephrotisches Syndrom (renaler Verlust), chronische Entzündung (negativer APR), Herzinsuffizienz oder Verbrennungen hinweisen. Klinische Konsequenz: Ödeme (reduzierter onkotischer Druck), gestörtes Medikamenten-Binding.
↑ Was ein hoher Wert bedeutet
Erhöhtes Albumin (> 52 g/l) ist meist ein Zeichen von Dehydration (Konzentrationseffekt). Selten: kongenitale Bisalbuminämie. Bei Exsikkose: nach Rehydrierung normalisiert sich Albumin rasch.
✓ Was den Wert beeinflussen kann
Der Albuminwert wird beeinflusst durch die Proteinversorgung (Mangelernährung, Kachexie), die Syntheseleistung der Leber, Eiweißverluste über Niere oder Darm, Entzündungen und den Flüssigkeitshaushalt. Eine Dehydratation kann den Wert scheinbar erhöhen, eine Überwässerung scheinbar senken. Auch die Körperhaltung bei der Blutentnahme und eine lange Stauung des Arms können das Messergebnis beeinflussen.
Wann testen?
Routinemäßig im Leberstatus; Ernährungsscreening (MUST-Score nutzt Albumin); bei Ödemen, Aszites, Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen (nephrotisches Syndrom), chronischen Entzündungen, bariatrischer Nachsorge. Albumin als Langzeit-Malnutritionsmarker (Halbwertszeit ~20 Tage; Präalbumin ~2 Tage ist sensitiver für kurzfristige Veränderungen).
Häufige Fragen
Warum ist Albumin bei chronischen Erkrankungen oft erniedrigt? +
Bei chronischen Entzündungen schüttet der Körper IL-6 und andere Zytokine aus. Diese signalisieren der Leber, die Produktion von Albumin (und anderen Schutzproteinen) zugunsten von Akute-Phase-Proteinen wie CRP und Fibrinogen zu reduzieren. Niedriges Albumin bei Entzündung spiegelt also nicht primär Proteinmangel wider.
Wie lange dauert es, bis Albumin auf verbesserte Ernährung reagiert? +
Albumin hat eine Halbwertszeit von ca. 20 Tagen — es reagiert langsam auf Ernährungsverbesserung. Präalbumin (Transthyretin, HWZ ~2 Tage) und Retinol-bindendes Protein (HWZ ~12 h) sind sensitivere Marker für kurzfristige Ernährungsverbesserungen. Für Langzeitbeurteilung bleibt Albumin relevant.
Welche Rolle spielt Albumin bei der Calcium-Interpretation? +
Ca. 40 % des Blutcalciums sind an Albumin gebunden. Bei niedrigem Albumin erscheint das Gesamt-Calcium fälschlich niedrig, obwohl das aktive ionisierte Calcium normal ist. Formel: Korrigiertes Calcium = Gemessenes Calcium + 0,02 × (40 − Albumin g/l). Bei Albuminabweichungen gibt das ionisierte Calcium den aktiven Anteil direkt an.
Ist Albumin ein Marker für Leberfunktion oder für Ernährung? +
Beides — abhängig vom Kontext. Bei Lebererkrankungen (Zirrhose): Albumin ist ein Syntheseparameter und Teil des Child-Pugh-Scores für Schweregrad. Bei anderen Erkrankungen: Albumin spiegelt primär Ernährungsstatus und Entzündungsgrad wider. Aussagekräftig ist der Wert erst im klinischen Gesamtkontext mit anderen Laborwerten.
Albumin
Quellen
Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2026
Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.