GFR
Glomeruläre Filtrationsrate als Nierenfunktionsmaß
Auch bekannt als
Definition
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) beschreibt das Plasmavolumen, das die Nierenkörperchen pro Minute filtern, und ist das wichtigste Maß für die Nierenfunktion. In der Praxis wird die eGFR aus Kreatinin, Alter und Geschlecht (CKD-EPI-Formel) berechnet. Nach der KDIGO-Leitlinie definiert ein Wert unter 60 ml/min/1,73 m² über drei Monate eine chronische Nierenerkrankung.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Einheit | ml/min/1,73 m² |
| Referenzbereich | > 90 ml/min/1,73 m² (normale Nierenfunktion) |
Deinen persönlichen Zielbereich legst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.
↓ Was ein niedriger Wert bedeutet
Die KDIGO-Leitlinie 2024 teilt die GFR in Kategorien ein. eGFR 60–89 gilt als leicht vermindert (G2), oft ohne Beschwerden; allein erfüllt G2 (wie G1) die Kriterien einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) nicht, dafür braucht es zusätzlich Zeichen einer Nierenschädigung, etwa Albumin im Urin, über mehr als drei Monate. eGFR 30–59 (G3a/G3b): leicht bis stark vermindert, Risiko für Anämie, Hypertonie, Elektrolytimbalancen. eGFR 15–29 (G4): stark vermindert, Urämie-Vorsymptome möglich. eGFR < 15 (G5): Nierenversagen. Besteht eine eGFR unter 60 länger als drei Monate, spricht KDIGO von einer CKD. Häufige Ursachen: Diabetes, unkontrollierter Bluthochdruck, chronische NSAID-Einnahme, Kontrastmittelnephropathie. Ob eine CKD vorliegt und ob und wie behandelt wird, legt die Ärztin oder der Arzt fest.
↑ Was ein hoher Wert bedeutet
Eine scheinbar sehr hohe eGFR ist oft ein Berechnungsartefakt oder physiologisch bei gut trainierten jungen Personen. Glomeruläre Hyperfiltration tritt früh bei Diabetes mellitus und Adipositas auf und gilt als Zeichen renaler Belastung, bevor die eGFR durch Nephronverlust abfällt.
✓ Was den Wert beeinflussen kann
Die eGFR wird beeinflusst durch Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, den Flüssigkeitshaushalt, das Alter und nierenbelastende Substanzen wie NSAR oder Kontrastmittel. Da die Berechnung auf Kreatinin beruht, können Muskelmasse, eine fleischreiche Mahlzeit, intensive Belastung und Kreatin-Präparate das Kreatinin erhöhen; die eGFR kann dann scheinbar niedriger ausfallen. Die Einordnung nimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt vor.
Wann testen?
Bestimmt wird die eGFR vor allem im höheren Alter und bei Risikofaktoren (Diabetes, Hypertonie, Familienanamnese); wie oft, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Ein Nüchternzustand ist nicht nötig. Eine fleischreiche Mahlzeit oder intensive Belastung am Vortag und Kreatin-Präparate in den Tagen davor können das Kreatinin vorübergehend erhöhen und die eGFR niedriger erscheinen lassen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen eGFR und echter GFR? +
Die echte GFR wird mit Inulin-Clearance oder radioaktiven Markern gemessen – aufwendig und nur in Speziallabors. Die eGFR ist eine rechnerische Schätzung aus Kreatinin, Alter und Geschlecht (CKD-EPI-Formel) und für die klinische Praxis ausreichend präzise.
Senkt Kreatin-Supplementierung die Nierenfunktion? +
Kreatin erhöht das Serumkreatinin (durch Metabolisierung zu Kreatinin), ohne die wahre Nierenfunktion zu beeinträchtigen. Die eGFR erscheint rechnerisch niedriger. Bei gesunden Nieren ist für die in Studien untersuchten Mengen kein Nierenschaden belegt.
Wann wird eine eingeschränkte eGFR nephrologisch abgeklärt? +
Anlässe für eine nephrologische Abklärung sind etwa eine über mehr als drei Monate erniedrigte eGFR, ein rascher Abfall, eine Proteinurie oder eine ungeklärte Ursache. Die Einordnung übernimmt deine Ärztin bzw. dein Arzt.
GFR
Quellen
Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2026
Diese Informationen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Referenzbereiche können je nach Labor, Methode und Land variieren.