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Thymosin Alpha-1: Immunmodulation durch Peptide 2026

28 Aminosäuren aus dem Thymus, als Zadaxin in Italien gegen Hepatitis zugelassen, in DE/EU nicht. Was Studien zeigen, was rechtlich gilt und welche Blutwerte zählen.

Fokus

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Peptide
Veröffentlicht: 12. Apr. 2026 11 min Lesezeit
Thymosin Alpha-1: Immunmodulation durch Peptide 2026

Thymosin Alpha-1: natürliches Thymus-Peptid mit bidirektionaler Immunmodulation.

Disclaimer vorab: Thymosin Alpha-1 (Tα1, Markenname Zadaxin) ist in Italien, China und über 35 weiteren Ländern als Arzneimittel zugelassen, vor allem für chronische Hepatitis B und C sowie primäre Immundefizienz. In Deutschland, der EU (außerhalb Italiens) und den USA ist es nicht regulär zugelassen. In den USA erfolgt der Einsatz nur Off-Label. In DE/EU wird das Peptid fast ausschließlich als “Research Chemical” vertrieben. Dieser Artikel ist eine wissenschaftliche Einordnung, keine Empfehlung zur Selbstanwendung. Jede Anwendung gehört in ärztliche Hände.

TL;DR: Thymosin Alpha-1 ist ein natürlich im Thymus gebildetes Peptid aus 28 Aminosäuren, seit 1977 synthetisch verfügbar. Es moduliert die Reifung von T-Zellen und wirkt bidirektional — stärkt geschwächte Immunabwehr und dämpft überschießende Reaktionen. In Italien und Asien als Zadaxin zugelassen, in DE/EU nicht. Studien zu Hepatitis B/C sind solide, Daten zu Sepsis und COVID-19 stammen aus Beobachtungsstudien.

Was Thymosin Alpha-1 ist

Thymosin Alpha-1 (Tα1) ist ein Peptid aus 28 Aminosäuren, das natürlich im Thymus gebildet wird. Der Thymus ist ein Organ hinter dem Brustbein, das in der Kindheit und Jugend die Reifung von T-Lymphozyten steuert. Im Erwachsenenalter bildet sich der Thymus zurück, seine Funktion lässt nach — ein Prozess, der unter anderem mit der altersbedingten Schwächung des Immunsystems zusammenhängt.

1977 isolierte und synthetisierte der Immunologe Allan Goldstein (George Washington University) Tα1 erstmals aus Thymus-Extrakten. Die Aminosäuresequenz ist identisch mit dem körpereigenen Peptid, was es pharmakologisch von rein synthetischen Research-Peptiden unterscheidet. Die Sequenz lautet: Ac-Ser-Asp-Ala-Ala-Val-Asp-Thr-Ser-Ser-Glu-Ile-Thr-Thr-Lys-Asp-Leu-Lys-Glu-Lys-Lys-Glu-Val-Val-Glu-Glu-Ala-Glu-Asn.

Markenname Zadaxin. Die pharmazeutische Form wird vom Unternehmen SciClone Pharmaceuticals unter dem Namen Zadaxin vertrieben. In Italien ist es seit 1995 als Adjuvans bei Hepatitis B zugelassen, später kamen weitere Indikationen und Länder hinzu. Der regulatorische Status ist der entscheidende Unterschied zu anderen Peptiden in der Biohacker-Szene: Tα1 hat Zulassungsstudien durchlaufen, wenn auch nicht in allen Ländern.

Eine Einordnung in die gesamte Peptid-Landschaft liefert die Peptid-Einführung.

Regulatorischer Status: Italien, USA, DE/EU, Asien

Keine andere Substanz in dieser Artikelserie hat einen so komplizierten rechtlichen Status. Wer Tα1 diskutiert, muss immer zwischen Ländern differenzieren.

RegionStatusIndikationen
ItalienzugelassenHepatitis B/C (Adjuvans), primäre Immundefizienz
China, Taiwan, SüdkoreazugelassenHepatitis B/C, Sepsis, Immundefizienz
Brasilien, ArgentinienzugelassenHepatitis, Immundefizienz
35+ weitere Länderzugelassenvariiert nach Land
USAnicht FDA-zugelassenOff-Label in Compounding-Apotheken
Deutschland, EU (außer Italien)nicht zugelassenResearch Chemical

Italien ist der regulatorische Ausreißer in der EU. Die italienische Arzneimittelbehörde AIFA hat Zadaxin seit 1995 als Adjuvans bei chronischer Hepatitis B zugelassen, später erweitert auf Hepatitis C und primäre Immundefizienz. Italienische Ärzte verschreiben das Peptid regulär, die Kosten werden teils erstattet.

USA. Die FDA hat Zadaxin nie zugelassen. Compounding-Apotheken können es auf individuelles ärztliches Rezept zubereiten, der Einsatz bleibt Off-Label. Die FDA-Compounding-Liste 503A enthält Tα1 nicht, die rechtliche Lage ist uneindeutig.

Deutschland und EU. Außerhalb Italiens gibt es keine reguläre Zulassung. Ein ärztlicher Einzelimport nach §73 AMG ist theoretisch möglich, wenn der Wirkstoff in einem anderen EU-Land zugelassen ist — also konkret der Import aus Italien auf ärztliche Verordnung über eine Apotheke mit Einzelimport-Genehmigung. Das ist bürokratisch aufwendig und wird selten genutzt.

Research-Chemical-Markt. Der Großteil der nicht medizinisch begleiteten Anwendung in DE/EU läuft über Research-Chemical-Anbieter. Diese Produkte sind nicht als Arzneimittel zugelassen, Reinheit und Identität sind nicht garantiert.

Wirkmechanismus: Bidirektionale Immunmodulation

Tα1 unterscheidet sich von klassischen Immunstimulanzien durch seinen bidirektionalen Effekt. Das Peptid bindet an Toll-like-Rezeptoren (vor allem TLR-2 und TLR-9) auf Immunzellen und moduliert je nach Immunstatus entweder nach oben oder nach unten.

Bei geschwächter Immunabwehr. Tα1 fördert die Reifung von unreifen T-Lymphozyten aus dem Knochenmark zu funktionsfähigen CD4- und CD8-T-Zellen. Es aktiviert zytotoxische T-Zellen, die virusinfizierte Zellen und entartete Zellen eliminieren. Die Aktivität von NK-Zellen (Natural Killer) steigt. Die Produktion von Interferon-γ und Interleukin-2 nimmt zu.

Bei überschießender Immunantwort. In entzündlichen Extremsituationen wie Sepsis oder Zytokin-Storm dämpft Tα1 die überaktive Immunreaktion. Es reduziert die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α und Interleukin-6. Dieser Mechanismus ist besonders bei Sepsis und schwerem COVID-19 untersucht worden.

T-Zell-Reifung. Der zentrale Effekt betrifft die Thymus-Funktion. Bei Erwachsenen mit schwindender Thymus-Aktivität kann Tα1 die Reifung neuer T-Zellen teilweise kompensieren. Studien an HIV-Patienten und nach Chemotherapie zeigen diesen Effekt am klarsten.

Die bidirektionale Wirkung erklärt, warum Tα1 in sehr unterschiedlichen klinischen Kontexten untersucht wird — von Hepatitis bis Sepsis.

Studienlage: Was belegt ist, was spekulativ bleibt

Die Evidenz zu Thymosin Alpha-1 ist breit, aber sehr unterschiedlich belastbar je nach Indikation. Ein strukturierter Überblick:

Hepatitis B und C (zugelassene Indikation)

Die solideste Datenlage. Andreone et al. (2001) zeigten in einer randomisierten Studie, dass Tα1 kombiniert mit Interferon-α bei chronischer Hepatitis C eine höhere nachhaltige virologische Response erzielt als Interferon allein. Neuere chinesische Arbeiten (Zhang et al. 2020) bestätigen Effekte bei chronischer Hepatitis B, besonders in Kombination mit antiviralen Standardtherapien. Diese Daten sind die Grundlage der italienischen und asiatischen Zulassungen.

Sepsis

Die ETASS-Studie (Wu et al. 2013, 2015) an 361 septischen Patienten in chinesischen Intensivstationen berichtete eine reduzierte 28-Tage-Mortalität unter Tα1-Gabe (26 Prozent vs. 35 Prozent in der Kontrollgruppe). Eine Meta-Analyse mehrerer Studien zeigt einen konsistenten, aber moderaten Effekt. In der EU ist Tα1 nicht als Sepsis-Therapie zugelassen, wird aber in einigen chinesischen Leitlinien empfohlen.

COVID-19

Liu et al. (2020) publizierten Beobachtungsdaten aus Wuhan mit 76 schwer erkrankten COVID-19-Patienten. Die Mortalität unter Tα1 lag bei 11 Prozent gegenüber 30 Prozent ohne. Matteucci et al. (2021) berichten aus einer italienischen Kohorte ähnliche Trends. Beide Studien sind retrospektiv, nicht randomisiert. Tα1 ist nirgends offiziell für COVID-19 zugelassen, die WHO führt es nicht in ihren Therapie-Leitlinien.

Krebs-Adjuvans

Kleine Studien zu Melanom, Leber- und Lungenkrebs (meist aus China) kombinieren Tα1 mit Chemotherapie und berichten verbesserte Lebensqualität und teilweise Überlebensvorteile. Die Evidenz ist nicht ausreichend für eine westliche Zulassungsentscheidung.

Long COVID, Lyme, chronische Erschöpfung

Hier wird es dünn. Kontrollierte Humanstudien fehlen fast vollständig. Anekdotische Berichte und kleine Fallserien finden sich in der Biohacker-Community, aber ohne methodische Grundlage für belastbare Aussagen. Wer Tα1 für diese Indikationen nutzt, bewegt sich in experimentellem Terrain.

Dosierung im Kontext zugelassener Anwendung

Hinweis: Die folgenden Angaben beziehen sich auf die in Italien und Asien zugelassene Anwendung bei Hepatitis B/C. Sie sind deskriptiv aus der Fachinformation zu Zadaxin, keine Dosisempfehlung für Selbstanwendung.

Die Standarddosis bei chronischer Hepatitis beträgt 1,6 mg subkutan zweimal wöchentlich, mit 3 bis 4 Tagen Abstand. Die Therapiedauer liegt bei 6 bis 12 Monaten, je nach Indikation und Verlauf. Bei primärer Immundefizienz und Sepsis verwenden Studien teils höhere Dosen (bis 3,2 mg/Tag), immer im stationären Kontext.

Die Halbwertszeit im Blut liegt bei etwa 2 Stunden, der biologische Effekt über Immunzell-Modulation hält deutlich länger an. Das rechtfertigt die zweimal wöchentliche Dosierung.

Lyophilisat und Rekonstitution. Zadaxin wird als Lyophilisat (Gefriertrocknungspulver) im Glasvial mit Gummi-Septum geliefert. Vor der Injektion rekonstituiert der Anwender das Pulver mit sterilem Wasser. Die Injektion erfolgt subkutan ins Unterhautfettgewebe an Bauch oder Oberschenkel mit einer feinen Insulinnadel. Für die zugelassene Anwendung gilt: ärztliche Anleitung, saubere Technik, Dokumentation.

Blutwerte-Monitoring bei therapeutischer Anwendung

Wer unter ärztlicher Begleitung Tα1 einsetzt, braucht eine belastbare Baseline und regelmäßige Verlaufskontrollen. Ohne diese Werte lässt sich nicht beurteilen, ob das Peptid wirkt oder schadet.

MarkerWarum wichtigReferenz
Großes Blutbild mit DifferenzialBasis-Immunstatus, Lymphozyten-Dynamiksiehe Großes Blutbild
Lymphozyten-Subsets (CD3, CD4, CD8)Direkter T-Zell-Effekt von Tα1Spezial-Labor
CD4/CD8-RatioImmunbalance, besonders bei HIV/Immundefizienz1,5–2,5 Normalbereich
NK-ZellenNatürliche Killer-Aktivität100–500 /µl
CRP, BSGEntzündliche AktivitätCRP unter 3 mg/l
GPT, GOT, GGTLeberfunktion (relevant bei Hepatitis)siehe Blutwerte verstehen
Kreatinin, eGFRNierenfunktion, AusscheidungeGFR über 60 ml/min
ANA, RheumafaktorAutoimmun-Screen vor Therapienegativ
Hepatitis-Virus-LoadBei Hepatitis-Indikationquantitativ

Mehr zur Entzündungsdiagnostik liefert der Guide zu Entzündungswerten. Vor Beginn dokumentieren, nach 4 Wochen, 3 Monaten und bei längerer Anwendung quartalsweise wiederholen.

Abgrenzung zu Thymosin β4 (TB-500) und anderen Thymus-Peptiden

Ein häufiger Fehler in der Peptid-Community: Thymosin Alpha-1 und Thymosin β4 werden gleichgesetzt, weil beide “Thymosin” heißen. Das ist falsch.

EigenschaftThymosin Alpha-1 (Tα1)Thymosin β4 (TB-500)
Aminosäuren2843 (TB-500: 17er Fragment)
MechanismusImmunmodulation über TLR-RezeptorenAktin-Bindung, Zellmigration
ZulassungItalien, Asien (Zadaxin)nirgends als Arzneimittel zugelassen
IndikationHepatitis, Immundefizienzkeine zugelassene Indikation
WADA 2026nicht explizit verbotenseit 2022 verboten
WirkfeldImmunsystemGewebereparatur, Wundheilung

Die Gemeinsamkeit endet beim Namensbestandteil “Thymosin”, der aus der ursprünglichen Isolierung aus Thymus-Extrakten stammt. Biologisch und klinisch sind die beiden Peptide komplett unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlichen Zielmolekülen. Wer über Tα1 nachdenkt, sollte Protokolle und Studien gezielt für das richtige Peptid prüfen.

Kontraindikationen und Risiken

Tα1 gilt in den Zulassungsstudien als gut verträglich. Einige Situationen sind aber klare Gegenanzeigen oder erfordern besondere Vorsicht.

Aktive Autoimmunerkrankung. Rheumatoide Arthritis, Lupus, Multiple Sklerose, aktive Hashimoto-Schübe. Die Immunstimulation kann Autoimmun-Entzündungen verstärken. Vor Therapiebeginn gehört ein Autoimmun-Screen (ANA, Rheumafaktor, ggf. spezifische Antikörper) zur Pflicht.

Nach Organtransplantation. Hier ist Tα1 kontraindiziert. Transplantierte Patienten brauchen dauerhaft Immunsuppression, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Eine Immunstimulation wirkt gegenläufig und kann das Transplantat gefährden.

Schwangerschaft und Stillzeit. Keine ausreichenden Daten. Ohne zwingende medizinische Indikation nicht anwenden.

Allergische Reaktionen. Sehr selten, aber möglich. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Präparats abbrechen.

Injektionsrisiken. Abszesse, Infektionen bei unsterilem Arbeiten. Das ist kein Tα1-spezifisches Risiko, sondern gilt für jede subkutane Injektion.

Qualitätsrisiken bei Research-Chemical-Bezug. Ohne Certificate of Analysis (COA) und GMP-Zertifizierung sind Reinheit und Identität nicht garantiert. Ein relevanter Anteil der Produkte im Grey-Market enthält weniger Wirkstoff als deklariert oder Verunreinigungen. Die detaillierten Qualitätskriterien stehen in der BPC-157-Analyse.

Einordnung für die Praxis

Thymosin Alpha-1 ist eines der wenigen Peptide in der Biohacker-Diskussion, das tatsächlich einen regulatorischen Anker hat — die italienische und asiatische Zulassung. Das unterscheidet es von BPC-157, Epithalon oder Selank, die nirgends als Arzneimittel zugelassen sind.

Drei Situationen, in denen eine Überlegung zu Tα1 überhaupt sinnvoll wird:

  1. Chronische Hepatitis B oder C unter hepatologischer Begleitung, wenn Standardtherapien nicht ausreichend wirken und der Einzelimport aus Italien eine Option ist.
  2. Primäre Immundefizienz mit klarer Diagnose und immunologischer Betreuung.
  3. Chronische virale Infekte oder rezidivierende Infekte im Kontext einer ganzheitlichen ärztlichen Bewertung, nicht als First-Line-Option.

Für alles andere — Anti-Aging, Leistungssteigerung, unspezifische Erschöpfung — fehlt die Evidenz. Wer trotzdem experimentiert, tut das in rechtlicher und medizinischer Grauzone.

Für eine strukturierte Baseline vor jeder Peptid-Überlegung empfiehlt sich die Biomarker-Baseline-Checkliste. Der Peptide-Einsteiger-Guide ordnet Tα1 in die gesamte Peptid-Landschaft ein.

Fazit: Zugelassen in Italien, Grauzone in Deutschland

Thymosin Alpha-1 ist ein gut erforschtes Peptid mit solider Zulassung in Italien, China und über 35 weiteren Ländern für klar definierte Indikationen. Die bidirektionale Immunmodulation macht es klinisch interessant — bei Hepatitis und Sepsis gibt es belastbare Daten, bei COVID-19 und Krebs-Adjuvans noch nicht ausreichend.

Drei Punkte zum Mitnehmen:

  1. Regulatorische Realität. In DE/EU (außer Italien) und USA nicht regulär zugelassen. Ein Einzelimport aus Italien ist für zugelassene Indikationen möglich, aber aufwendig.
  2. Unterschied zu TB-500. Thymosin Alpha-1 und Thymosin β4 sind komplett unterschiedliche Peptide. Namensähnlichkeit ist irreführend.
  3. Monitoring ist Pflicht. Großes Blutbild, Lymphozyten-Subsets, Leber-/Nierenwerte, Autoimmun-Screen als Basis. Ohne Baseline keine Therapie.

Wer seine Blutwerte digital tracken will, findet in den Features von Lab2go die passenden Werkzeuge. Die Preisübersicht zeigt die Tarif-Optionen für detailliertes Biomarker-Tracking.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Thymosin Alpha-1 ist in Deutschland, der EU (außer Italien) und den USA nicht regulär als Arzneimittel zugelassen. Die Anwendung am Menschen außerhalb zugelassener Indikationen ist rechtlich problematisch. Jede Therapie-Entscheidung gehört in ärztliche Hände — Selbstmedikation mit nicht zugelassenen Peptiden birgt gesundheitliche und rechtliche Risiken.

FAQ zum Artikel

Ist Thymosin Alpha-1 in Deutschland legal?
Nein, Thymosin Alpha-1 (Markenname Zadaxin) ist in Deutschland und der EU nicht als Arzneimittel zugelassen. In Italien, China und über 35 weiteren Ländern ist es dagegen für Hepatitis B und C sowie primäre Immundefizienz zugelassen. In der EU läuft der Vertrieb fast ausschließlich als 'Research Chemical'. Die Anwendung am Menschen ohne ärztliche Begleitung ist rechtlich problematisch. Einen Import auf Rezept über Apotheken mit Einzelimport-Genehmigung kann eine spezialisierte Ärztin in begründeten Fällen prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Thymosin Alpha-1 und TB-500?
Thymosin Alpha-1 (Tα1) besteht aus 28 Aminosäuren und moduliert die Reifung von T-Zellen und NK-Zellen. TB-500 ist ein synthetisches Fragment von Thymosin β4 und wirkt über Aktin-Bindung auf Zellmigration und Gewebereparatur. Beide Peptide tragen 'Thymosin' im Namen, haben aber komplett unterschiedliche Wirkmechanismen. Tα1 ist in einigen Ländern als Immunmodulator zugelassen, TB-500 nirgends. Gleichsetzung ist ein häufiger Fehler in der Peptid-Community.
Wie wirkt Thymosin Alpha-1?
Tα1 wirkt bidirektional auf das Immunsystem. Bei geschwächter Immunabwehr stimuliert es die Reifung von T-Zellen, aktiviert zytotoxische T-Zellen und NK-Zellen und steigert die Zytokin-Produktion. Bei übersteigerter Immunantwort (etwa Sepsis-Storm) dämpft es dagegen die Entzündungskaskade. Dieser Balance-Effekt über Toll-like-Rezeptoren (TLR-2, TLR-9) unterscheidet Tα1 von einfachen Immunstimulanzien. Das Peptid wirkt nicht direkt antiviral, sondern stärkt die körpereigene Abwehr.
Für welche Indikationen ist Zadaxin zugelassen?
Zadaxin (Thymosin Alpha-1) ist in Italien, China, Brasilien und über 35 weiteren Ländern als Adjuvans bei chronischer Hepatitis B und C zugelassen. In einigen Ländern auch als Booster für Impfstoffe bei immunsupprimierten Patienten und zur Behandlung primärer Immundefizienz. Die standardmäßige Dosierung bei Hepatitis ist 1,6 mg subkutan zweimal wöchentlich über 6 bis 12 Monate. In der EU (außer Italien) und in den USA ist Zadaxin nicht regulär zugelassen.
Welche Blutwerte sollte man bei Thymosin Alpha-1 kontrollieren?
Vor und während einer ärztlich begleiteten Tα1-Therapie gehören großes Blutbild mit Differenzial, idealerweise Lymphozyten-Subsets (CD3, CD4, CD8, CD4/CD8-Ratio, NK-Zellen), CRP, Leberwerte (GPT, GOT, GGT) und Nierenwerte (Kreatinin, eGFR) auf den Labor-Zettel. Bei Hepatitis-Indikation zusätzlich Virus-Load und Leberfibrose-Marker. Ein Autoimmun-Screen (ANA, Rheumafaktor) ist sinnvoll, weil Immunstimulation bei latenten Autoimmunerkrankungen problematisch sein kann.
Gibt es Studien zu Thymosin Alpha-1 bei COVID-19?
Ja, chinesische Beobachtungsstudien (Liu et al. 2020, Wuhan) berichten eine Mortalitätssenkung bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten nach Tα1-Gabe. Eine italienische retrospektive Kohorte (Matteucci et al. 2021) zeigte ähnliche Tendenzen. Diese Daten stammen aus Beobachtungsstudien ohne Randomisierung. Tα1 ist nirgends offiziell für COVID-19 zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation führt das Peptid nicht in ihren Therapie-Leitlinien. Die Evidenzqualität reicht nicht für eine Standardempfehlung.
Welche Nebenwirkungen sind beschrieben?
In den Zulassungsstudien zu Hepatitis ist Thymosin Alpha-1 gut verträglich. Häufigste Nebenwirkung ist eine lokale Reaktion an der Injektionsstelle (Rötung, Druckschmerz) bei etwa 5 bis 10 Prozent der Anwender. Systemische Nebenwirkungen wie leichtes Fieber, Muskelschmerzen oder Müdigkeit treten selten auf. Kritisch sind aktive Autoimmunerkrankungen: eine Immunstimulation kann Schübe auslösen. Nach Organtransplantation ist Tα1 kontraindiziert, weil die benötigte Immunsuppression gegenläufig wirkt.
Kann Thymosin Alpha-1 bei Long COVID oder chronischer Erschöpfung helfen?
Für Long COVID, Lyme-Borreliose und chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS/ME) gibt es keine kontrollierten Humanstudien mit Thymosin Alpha-1. Anekdotische Berichte und kleine Fallserien finden sich in der Biohacker-Community, aber die Evidenzlage ist dünn. Solange diese Indikationen nicht zugelassen und nicht durch randomisierte Studien belegt sind, bleibt die Anwendung experimentell. Eine ärztlich begleitete, dokumentierte Therapie mit Baseline-Blutwerten ist das Minimum.
Wie wird Thymosin Alpha-1 verabreicht?
Die zugelassene Verabreichungsform ist subkutane Injektion. Die Standarddosis bei Hepatitis B/C beträgt 1,6 mg zweimal wöchentlich, idealerweise mit 3 bis 4 Tagen Abstand. Das Peptid wird als Lyophilisat (Gefriertrocknungspulver) mit sterilem Wasser rekonstituiert und mit einer feinen Insulinnadel ins Unterhautfettgewebe an Bauch oder Oberschenkel injiziert. Orale oder nasale Formen sind nicht etabliert und nicht zugelassen. Die Halbwertszeit liegt bei etwa 2 Stunden, der biologische Effekt hält deutlich länger an.
Gehört Thymosin Alpha-1 auf die WADA-Verbotsliste?
Stand 2026 steht Thymosin Alpha-1 nicht explizit auf der WADA-Verbotsliste — anders als BPC-157 oder Thymosin β4, die seit 2022 verboten sind. Da Tα1 aber zu den nicht in der EU zugelassenen Peptiden gehört, fällt es potenziell unter Kategorie S0 (Nicht zugelassene Substanzen), wenn es ohne medizinische Indikation genommen wird. Wettkampfsportler sollten jede Anwendung vorher mit einer Anti-Doping-Beratung klären, da sich die Liste jährlich ändert.

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