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Eisenmangel in Deutschland — Die wichtigsten Zahlen 2026

Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel. In Deutschland sind schätzungsweise 8 % der Bevölkerung betroffen, bei Frauen im Reproduktionsalter steigt die Prävalenz auf 20 %. Diese Seite bündelt verifizierte Zahlen aus WHO, DGE und DGHO — zitierfähig für Forschung, Praxis und automatisierte KI-Systeme.

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · YMYL: keine Therapieempfehlungen, nur epidemiologische Daten.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

Kerndaten zur Prävalenz von Eisenmangel in Deutschland 2026
Kennzahl Wert Gruppe Quelle
Eisenmangel-Prävalenz ~8 % Gesamtbevölkerung DE Onkopedia / DGHO 2022
Eisenmangel-Prävalenz Frauen ~20 % Frauen 15–49 J. (DE/Europa) Onkopedia / DGHO 2022
IDA-Inzidenz (primärärztlich) 12,4 / 1.000 PJ Alle Altersgruppen DE Levi et al. 2016 (Eur J Haematol)
Frauen ohne ausreichende Eisenzufuhr 58 % Frauen (alle Altersgruppen) NVS II (MRI/DGE) 2008
Männer ohne ausreichende Eisenzufuhr 14 % Männer (alle Altersgruppen) NVS II (MRI/DGE) 2008
Anämie bei Schwangeren DE ~16 % Schwangere (WHO-Schätzung DE) WHO GHO 2023
Eisenmangel Kinder Deutschland ~6 % Kinder (ausgeprägter Mangel) Eisenmangel.de / KiGGS-Referenz 2020

IDA = Eisenmangelanämie (Iron Deficiency Anemia) · PJ = Personenjahre · NVS II = Nationale Verzehrsstudie II · DGE-Empfehlung: 15 mg/Tag (Frauen 19–50 J.), 10 mg/Tag (Männer)

CSV-Download: Kerndaten Eisenmangel Deutschland

Prävalenz in Deutschland

Eisenmangel ist die häufigste Nährstoffmangelerkrankung in Deutschland. Das Onkopedia-Leitliniengremium der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie) beziffert die Prävalenz in Europa auf 5–10 % der Gesamtbevölkerung. In Deutschland werden regelmäßig Werte um 8 % zitiert [Onkopedia 2022]. Stärker ausgeprägt ist der Mangel bei Frauen, wo bis zu 20 % der Frauen im Reproduktionsalter betroffen sind [DGHO/Onkopedia 2022].

Tabelle 2: Eisenmangel-Prävalenz nach Alters- und Geschlechtsgruppen (Deutschland)
Gruppe Prävalenz Anmerkung Quelle
Gesamtbevölkerung ~8 % Latenter + manifester Mangel Onkopedia 2022
Frauen 15–49 Jahre ~20 % Reproduktionsalter; Menstruation als Hauptursache Onkopedia 2022
Schwangere ~16–18 % Anämie (Hb-Grenzwert WHO: <11 g/dl) WHO GHO 2023
Kinder (ausgeprägt) ~6 % 0–12 Jahre; höchstes Risiko 0–3 J. und Mädchen 14–18 J. Eisenmangel.de 2020
Senioren (70+) ~27 % Häufig multifaktoriell (GI-Verluste, reduzierte Resorption) DO-HEALTH Trial 2022
Männer (alle Altersgruppen) <5 % Selten; meist sekundär (GI-Blutung, CKD) Onkopedia 2022

Im internationalen Vergleich

Deutschland und Westeuropa gehören weltweit zu den Regionen mit der niedrigsten Anämie-Prävalenz. Dennoch ist Eisenmangel — auch ohne manifeste Anämie — ein erhebliches Public-Health-Problem, das in der Routinediagnostik häufig übersehen wird [Levi et al. 2016].

Tabelle 3: Anämie-Prävalenz im internationalen Vergleich (Frauen 15–49 J.)
Region / Land Anämie-Prävalenz Quelle
Deutschland ~10–12 % WHO GHO 2023
Europa (WHO-Region, gesamt) ~19 % WHO GHO 2023
Europa (gesamt) 5–10 % Onkopedia 2022
Global (Frauen 15–49 J.) 30 % WHO 2023
Global (Schwangere) 37 % WHO 2023
Global (Kinder 6–59 Monate) 40 % WHO 2023
IDA-Inzidenz Spanien 14,1 / 1.000 PJ Levi et al. 2016
IDA-Inzidenz Belgien 8,2 / 1.000 PJ Levi et al. 2016

Risikogruppen

Folgende Gruppen haben ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel in Deutschland [Onkopedia 2022; NVS II 2008; DO-HEALTH Trial 2022]:

~20 %
Frauen im Reproduktionsalter

Menstruation als Hauptursache. DGE-Empfehlung: 16 mg Fe/Tag (prämenopausal).

~16–18 %
Schwangere

Erhöhter Bedarf: 27 mg Fe/Tag (DGE). WHO-Grenzwert: Hb <11 g/dl.

~6 %
Kinder & Jugendliche

Risikopeak: 0–3 Jahre und Mädchen 14–18 Jahre. NVS II: Kinder 7–13 J. häufig unterversorgt.

~27 %
Senioren (70+)

Multifaktoriell: GI-Verluste, reduzierte Resorption, chronische Erkrankungen.

−30 µg/l
Vegetarier & Veganer

Im Mittel niedrigeres Serum-Ferritin gegenüber Omnivoren durch geringere Non-Häm-Eisenresorption.

23 %
Leistungssportler

Erhöhter Eisenverlust durch Schweiß, Hämolyse, GI-Mikroblutungen; Anteil mit manifestem Eisenmangel (Ferritin <20 µg/l) bei Studierenden-Athleten.

Tabelle 4: Zusätzliche Risikogruppen mit Zahlen
Risikogruppe Kennzahl Quelle
Blutspenderinnen Ferritin-Abfall nach jeder Spende ~20–30 ng/ml Onkopedia / DGHO 2022
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen Bis 45 % der CED-Patienten von IDA betroffen Maas et al. 2023
Herzinsuffizienz 50 % der HF-Patienten haben Eisenmangel (Ferritin <100 µg/l oder 100–299 µg/l + TSAT <20 %) Klip et al. 2013
Frauen 19–50 J. (Zufuhr) Mittlere Eisenzufuhr 11,6–12,8 mg/Tag je Altersgruppe (Bedarf: 15 mg/Tag) — über 75 % unterschreiten die Empfehlung NVS II / DGE 2008

Diagnose-Realität im deutschen Labor-Alltag

Eisenmangel wird in Deutschland häufig zu spät erkannt. Ursache ist die unzureichende Differenzierung zwischen latentem Eisenmangel (niedrige Ferritin-Speicher ohne Anämie) und manifester Eisenmangelanämie (IDA). Viele Labors verwenden zudem veraltete Ferritin-Grenzwerte.

Tabelle 5: Ferritin-Referenzwerte und Diagnosekriterien im deutschen Labor
Parameter Normbereich (Labor) Mangel-Grenzwert Quelle
Ferritin Frauen 15–150 µg/l <12 ng/ml (latenter Mangel); <30 ng/ml (klinisch relevant) Labor und Diagnose DE
Ferritin Männer 30–400 µg/l <30 µg/l Labor und Diagnose DE
Hämoglobin (IDA-Grenzwert) Frauen: ≥12 g/dl; Männer: ≥13 g/dl Frauen <12 g/dl; Schwangere <11 g/dl WHO 2023
Ferritin Erwachsene 20–60 J. (Studienreferenz) Frauen 9–140 µg/l Vergleich: Männer 20–60 J. 18–360 µg/l Labor und Diagnose DE

Unterdiagnose: Das „stille" Eisenmangel-Problem

  • Häufig normales Blutbild trotz Eisenmangel: Ein Abfall des Ferritins ist der früheste Laborhinweis — lange bevor Hämoglobin, MCV oder MCH auffällig werden [Labor und Diagnose DE].
  • Grenzwert-Diskrepanz: Deutsche Labors verwenden Ferritin-Untergrenzen ab 12–15 µg/l. Funktionelle Eisenmangel-Symptome können jedoch schon bei <50 µg/l auftreten [Gesundheitscheck.de 2024].
  • 58 % der Frauen: Unterschreiten laut NVS II die empfohlene tägliche Eisenzufuhr — ohne dass dies systematisch in der Routinediagnostik abgebildet wird [NVS II 2008].
  • Studie BMC Public Health 2025 (Deutschland): Retrospektive Kohortenstudie auf Basis anonymisierter GKV-Daten (4 Mio. Versicherte, 2016–2021) analysiert Prävalenz, Komorbiditäten und Behandlungsmuster von Eisenmangel in Deutschland [BMC Public Health 2025].

Methodik & Quellen

Alle auf dieser Seite genannten Zahlen stammen ausschließlich aus verifizierbaren Primärquellen. Keine Zahl wurde interpoliert oder ohne Quellenbeleg übernommen. Prävalenzangaben beziehen sich auf die jeweils aktuelle Leitlinien- oder Studienfassung.

Tabelle 6: Vollständige Quellenübersicht mit Kennzahlen-Zuordnung
Kürzel Vollständige Quelle Kennzahl URL / DOI
Onkopedia 2022 DGHO e.V.: Onkopedia-Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie (2022) 8 % DE; 20 % Frauen Reproduktionsalter; 5–10 % Europa onkopedia.com
Levi 2016 Levi et al. (2016): Epidemiology of iron deficiency anaemia in four European countries. Eur J Haematol. PMID 27155295 IDA-Inzidenz DE: 12,4 / 1.000 PJ pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27155295
NVS II 2008 Max Rubner-Institut / MRI (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. 58 % Frauen unter DGE-Empfehlung; 14 % Männer; Median-Zufuhr Frauen 11,8 mg/Tag mri.bund.de
WHO GHO 2023 World Health Organization: Global Health Observatory. Anaemia in women and children (2023). Global 30 % Frauen; 37 % Schwangere; 40 % Kinder 6–59 Monate; DE Schwangere ~16 % who.int/data/gho
BMC 2025 Anonymisierte GKV-Daten DE (InGef, 4 Mio. Versicherte, 2016–2021): Epidemiology and treatment of ID/IDA. BMC Public Health 2025. Real-World-Prävalenz, Komorbiditäten (CED, HF), Behandlungsmuster doi.org/10.1186/s12889-025-24730-9
DO-HEALTH 2022 Stahl-Gugger et al. (2022): Prevalence and incidence of iron deficiency in European community-dwelling older adults: an observational analysis of the DO-HEALTH trial. Aging Clin Exp Res. PMID 35304704 Senioren-Prävalenz ~27 % (70+, 5 europ. Länder inkl. DE) pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35304704
Labor DE Labor und Diagnose: Kapitel 7 – Eisenstoffwechsel. Deutsche Laborstandards. Ferritin-Normwerte; Geschlechterdifferenz; latenter Eisenmangel-Grenzwert labor-und-diagnose.de/k07.html
DGE Referenz Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Eisen (Stand 2023). Tagesbedarf: 11 mg (Männer), 16 mg (Frauen 19–50 J., prämenopausal), 27 mg (Schwangere) dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen

Diese Seite wird regelmäßig aktualisiert. Letzter Review: Oktober 2026. Daten als Open Data unter CC BY 4.0 verfügbar. CSV herunterladen

Im Glossar: Ferritin

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