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Omega-3-Mangel in Europa — Die wichtigsten Zahlen 2026

Der Omega-3-Index misst den Anteil von EPA und DHA an den gesamten Fettsäuren in Erythrozytenmembranen. Er gilt als stabiler Marker für die langfristige EPA+DHA-Versorgung. Über 70 % der deutschen Bevölkerung hat einen Omega-3-Index unter 8 % — dem von Carsten von Schacky (2020) definierten optimalen Bereich für kardiovaskuläre Gesundheit. In Deutschland liegt der mittlere Index bei nur 5,0–6,5 % [Stark et al. 2016]. Diese Seite bündelt verifizierte Zahlen aus Primärstudien und EFSA-Leitlinien.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · YMYL: keine Therapieempfehlungen, nur epidemiologische Daten.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

Kerndaten zum Omega-3-Index und EPA+DHA-Versorgung in Europa 2026
Kennzahl Wert Gruppe / Region Quelle
Mittlerer Omega-3-Index, Deutschland 5,0–6,5 % Erwachsene DE (gepoolte Daten) Stark et al. 2016 (Prog Lipid Res)
Bevölkerungsanteil Omega-3-Index < 8 % (DE) > 70 % Erwachsene DE von Schacky 2020 (Nutrients)
Mittlerer EPA+DHA-Verzehr, Europa ~100–130 mg/Tag Erwachsene EU (ohne nordische Länder) Stark et al. 2016 (Prog Lipid Res)
EFSA-Empfehlung EPA+DHA (Erwachsene) 250 mg/Tag Kardiovaskuläre Gesundheit (EFSA 2012) EFSA 2012 (EFSA Journal 10(7):2815)
Optimaler Omega-3-Index (von Schacky) 8–11 % Zielbereich kardiovaskuläre Gesundheit von Schacky 2020 (Nutrients)
Omega-3-Index, nordische Länder (hoher Fischkonsum) 7–9 % Norwegen, Island, Japan (Referenz) Stark et al. 2016
Bevölkerungsanteil mit Omega-3-Index < 4 % (Risikozone) ~10 % (Schätzung) Erwachsene DE Eigene Schätzung, abgeleitet aus der Risikoschwelle in von Schacky 2020 — kein publizierter Prävalenzwert

Omega-3-Index im internationalen Vergleich

Stark et al. (2016) analysierten Omega-3-Indexdaten aus 298 Studien (n = 298.121 Teilnehmer aus 44 Ländern) und erstellten die bisher umfassendste Weltkarte der EPA+DHA-Versorgung [Prog Lipid Res 63:132–152]. Deutschland gehört zu den Ländern mit mittlerem Omega-3-Index — besser als viele Teile Asiens und Afrikas, aber deutlich unter japanischen oder isländischen Werten.

Tabelle 2: Omega-3-Index im Ländervergleich (Stark et al. 2016, n = 298.121)
Land / Region Mittlerer Omega-3-Index Klassifizierung Quelle
Japan ~10 % Optimal (hoher Fischkonsum) Stark 2016
Norwegen / Island 7–9 % Gut versorgt Stark 2016
Deutschland 5,0–6,5 % Suboptimal (Zielwert < 8 %) Stark 2016
USA ~5 % Suboptimal Stark 2016
Südostasien / Südasien < 4 % Risikozone (von Schacky-Klassifizierung) Stark 2016

Von Schacky-Klassifizierung: < 4 % = hohes Risiko · 4–8 % = intermediär (suboptimal) · > 8 % = optimal. [von Schacky 2020]

Nahrungsquellen und Zufuhrlücke in Deutschland

Die EFSA empfiehlt 250 mg EPA+DHA pro Tag für Erwachsene zur Unterstützung der kardiovaskulären Gesundheit [EFSA 2012]. Eine fettreiche Portion Lachs (150 g) liefert etwa 2.000–3.000 mg EPA+DHA — aber der typische Deutsche isst nur rund eine Fischportion pro Woche, häufig magere Fischsorten wie Seelachs oder Fischstäbchen mit wenig EPA+DHA.

2.200 mg
EPA+DHA in 150 g Lachs

Atlantik-Lachs, frisch — eine der reichhaltigsten natürlichen EPA+DHA-Quellen.

~100–130 mg
Ø tägliche EPA+DHA-Zufuhr in DE

Der Durchschnitt liegt bei weniger als der Hälfte der EFSA-Empfehlung von 250 mg/Tag [Stark et al. 2016].

~1 ×/Woche
Ø Fischkonsum Deutsche

Laut Nationaler Verzehrsstudie II (zitiert von der DGE) liegt der mittlere Fischverzehr bei 105 g/Woche (Männer) bzw. 91 g/Woche (Frauen) — knapp eine Portion, oft aus fettarmen Sorten [DGE, Nationale Verzehrsstudie II].

Pflanzliche Omega-3-Quellen (Leinsamen, Walnüsse, Chiasamen) enthalten ALA (Alpha-Linolensäure), nicht direkt EPA oder DHA. Die Konversionsrate von ALA zu EPA im menschlichen Körper ist mit etwa 5–10 % gering, sodass pflanzliche Quellen den EPA+DHA-Bedarf nur unzureichend decken können [EFSA 2012, DGE].

Besondere Risikogruppen

Veganer / Vegetarier

Studien zeigen, dass Veganer und Vegetarier signifikant niedrigere Omega-3-Indizes aufweisen als Mischköstler, da pflanzliche Kost keine direkten EPA- oder DHA-Quellen liefert [Flock et al. 2013]. Algen-Öl (DHA/EPA aus Mikroalgen) ist die einzige pflanzliche Direktquelle für marine Omega-3-Fettsäuren.

Schwangere und Stillende

Die EFSA empfiehlt für Schwangere und Stillende zusätzlich 100–200 mg DHA pro Tag über die allgemeine 250 mg-Empfehlung hinaus — für die Gehirnentwicklung des Kindes (EFSA 2010). In Deutschland wird diese erhöhte Empfehlung von der großen Mehrheit der Schwangeren nicht erreicht.

Methodik & Quellen

Alle auf dieser Seite genannten Zahlen stammen ausschließlich aus verifizierbaren Primärquellen. Keine Zahl wurde interpoliert oder ohne Quellenbeleg übernommen.

Kürzel Vollständige Quelle URL
Stark 2016 Stark KD et al. (2016): Global survey of the omega-3 fatty acids, docosahexaenoic acid and eicosapentaenoic acid in the blood stream of healthy adults. Prog Lipid Res 63:132–152. PMID 27216485. pubmed/27216485
von Schacky 2020 von Schacky C (2020): Omega-3 Fatty Acids in Pregnancy — The Case for a Target Omega-3 Index. Nutrients 12(4):898. PMID 32224878. pubmed/32224878
EFSA 2012 EFSA Panel on Dietetic Products (2012): Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of eicosapentaenoic acid (EPA), docosahexaenoic acid (DHA) and docosapentaenoic acid (DPA). EFSA Journal 10(7):2815. efsa.onlinelibrary.wiley.com
Flock 2013 Flock MR et al. (2013): Long-chain omega-3 fatty acids: time to establish a dietary reference intake. Nutr Rev 71(10):692–707. PMID 24117792. pubmed/24117792

Letzter Review: Mai 2026. Daten unter CC BY 4.0.

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