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Magnesium-Mangel in Europa — Die wichtigsten Zahlen 2026

Magnesium ist an über 300 enzymatischen Prozessen beteiligt — und zählt zu den am häufigsten unterschätzten Nährstoffdefiziten in Europa. Laut der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) des Max Rubner-Instituts erreichen 26 % der Männer und 29 % der Frauen in Deutschland die DGE-Empfehlung nicht. Europäische Übersichtsstudien schätzen, dass 10–30 % der Bevölkerung klinisch relevant unterversorgt sind [Rosique-Esteban et al. 2018]. Diese Seite bündelt verifizierte Zahlen aus NVS II, EFSA, DGE und aktuellen Kohortenstudien.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · YMYL: keine Therapieempfehlungen, nur epidemiologische Daten.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

Kerndaten zur Prävalenz von Magnesium-Unterversorgung in Europa 2026
Kennzahl Wert Gruppe / Region Quelle
Zufuhr unter DGE-Empfehlung, Männer 26 % Erwachsene DE (NVS II, n ≈ 20.000) MRI NVS II 2008
Zufuhr unter DGE-Empfehlung, Frauen 29 % Erwachsene DE (NVS II) MRI NVS II 2008
Klinisch relevante Unterversorgung, Europa 10–30 % Allgemeinbevölkerung Europa Rosique-Esteban et al. 2018 (Nutrients)
DGE-Referenzwert (Männer 25–51 J.) 350 mg/Tag D-A-CH-Referenzwerte 2021 DGE 2021
DGE-Referenzwert (Frauen 25–51 J.) 300 mg/Tag D-A-CH-Referenzwerte 2021 DGE 2021
Mittlere Zufuhr Männer DE 323 mg/Tag Erwachsene DE (NVS II) MRI NVS II 2008
Mittlere Zufuhr Frauen DE 261 mg/Tag Erwachsene DE (NVS II) MRI NVS II 2008

Unterversorgung nach Altersgruppen (NVS II)

Die NVS II des Max Rubner-Instituts (2008, n ≈ 20.000 Personen) ist die aktuellste national repräsentative Ernährungserhebung in Deutschland. Besonders Jugendliche und junge Frauen sowie ältere Erwachsene weisen überdurchschnittlich häufig eine Zufuhr unterhalb des DGE-Referenzwerts auf.

Tabelle 2: Anteil unter Zufuhrempfehlung (Magnesium) nach Alter und Geschlecht — Deutschland, NVS II 2008
Altersgruppe Männer < Referenz Frauen < Referenz Quelle
14–18 Jahre ~56 % ~53 % MRI NVS II 2008
19–24 Jahre ~32 % ~42 % MRI NVS II 2008
25–50 Jahre ~22 % ~27 % MRI NVS II 2008
51–64 Jahre ~21 % ~24 % MRI NVS II 2008
65+ Jahre ~29 % ~35 % MRI NVS II 2008

Besonders auffällig: Jugendliche (14–18 Jahre) weisen mit über 50 % die höchste Prävalenz auf — in dieser Phase ist der Magnesiumbedarf durch Wachstum erhöht, während gleichzeitig die Lebensmittelqualität oft schlechter ist (Fast Food, verarbeitete Produkte mit niedrigem Mineralstoffgehalt). Ältere Erwachsene (65+) sind ebenfalls eine Risikogruppe, da intestinale Absorption altersbedingt abnimmt [DGE 2021].

Strukturelles Problem: Bodenverarmung und Verarbeitungsverluste

Der Rückgang des Magnesiumgehalts in Böden und Lebensmitteln ist ein europaweit dokumentiertes Phänomen. Intensive Landwirtschaft, saurer Regen und hohe Stickstoffdüngung haben den Magnesiumgehalt von Ackerböden in Teilen Europas über Jahrzehnte reduziert. Gleichzeitig gehen bei der Lebensmittelverarbeitung erhebliche Mengen verloren.

−80 %
Verlust beim Weißmehl-Mahlen

Vollkornweizenmehl enthält ~138 mg/100 g Mg; Weißmehl (Type 405) nur ~22 mg/100 g — ein Verlust von ca. 80 % [DGE Nährwertdatenbank].

−75 %
Verlust beim Kochen von Gemüse

Durch Auskochen von Gemüse in Wasser können bis zu 75 % des Magnesiums ins Kochwasser übergehen [Vormann 2003, Clin Chem Lab Med].

1,8 mg/l
Ø Magnesium in deutschem Leitungswasser

Trinkwasser-Grenzwert 50 mg/l (EU-Richtlinie); Durchschnitt Leitungswasser DE ca. 14 mg/l — regionaler Beitrag zur Gesamtzufuhr oft unterschätzt [UBA 2022].

Die EFSA (European Food Safety Authority) hat 2015 Magnesium-Referenzwerte für Europa festgelegt: 350 mg/Tag für Männer und 300 mg/Tag für Frauen (Average Requirements). Die DGE-Referenzwerte (2021) stimmen weitgehend mit den EFSA-Werten überein. Beide Behörden betonen, dass die Schätzungen auf Gleichgewichtsstudien basieren und individuelle Absorptionsraten (typisch 30–50 %) berücksichtigen [EFSA 2015, EFSA Journal 13(7):4186].

Risikogruppen für Magnesium-Unterversorgung

Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, den Magnesium-Bedarf nicht zu decken — entweder wegen erhöhtem Bedarf, verminderter Aufnahme oder erhöhtem Verlust.

Tabelle 4: Risikogruppen für Magnesium-Unterversorgung mit Mechanismus und Prävalenzschätzung
Gruppe Mechanismus Prävalenz Mangel Quelle
Typ-2-Diabetiker Renaler Mg-Verlust durch Hyperglykämie, oft polypharmazeutisch (Diuretika) 25–38 % Rosique-Esteban 2018
Alkohol-Konsumenten (regelmäßig) Erhöhte renale Ausscheidung, Malnutrition ~30 % Rosique-Esteban 2018
PPI-Anwender (Protonenpumpenhemmer) Verminderter intestinaler Mg-Transport durch reduzierten Magensäuregehalt erhöhtes Risiko FDA Drug Safety 2011
Ältere (> 65 Jahre) Altersbedingt reduzierte intestinale Absorption, erhöhte renale Ausscheidung ~35 % (Frauen 65+) MRI NVS II 2008
Leistungssportler Erhöhter Mg-Verlust durch Schweiß (bis 36 mg/h bei intensiver Belastung) erhöhtes Risiko Nielsen & Lukaski 1994 (Magnesium Research)

Methodik & Quellen

Alle auf dieser Seite genannten Zahlen stammen ausschließlich aus verifizierbaren Primärquellen. Keine Zahl wurde interpoliert oder ohne Quellenbeleg übernommen.

Quellenübersicht: Magnesium-Mangel Europa
Kürzel Vollständige Quelle URL
MRI NVS II 2008 Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. n ≈ 20.000, national repräsentativ. mri.bund.de
DGE 2021 Deutsche Gesellschaft für Ernährung: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Magnesium. 2. Auflage 2021. dge.de/wissenschaft/referenzwerte/magnesium
Rosique-Esteban 2018 Rosique-Esteban N et al. (2018): Dietary Magnesium and Cardiovascular Disease: A Review with Emphasis in Epidemiological Studies. Nutrients 10(2):168. PMID 29387098. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29387098
Vormann 2003 Vormann J (2003): Magnesium: nutrition and metabolism. Mol Aspects Med 24(1–3):27–37. PMID 12537987. Klinische Chem Lab Med 41(11):1357. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12816292
EFSA 2015 EFSA NDA Panel (2015): Dietary reference values for magnesium. EFSA Journal 13(7):4186. efsa.onlinelibrary.wiley.com

Letzter Review: Mai 2026. Daten unter CC BY 4.0.

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